Ich habe Affenpocken. Damit bin ich derzeit einer von 2.680 Fällen weltweit – und einer von 469 laborbestätigten Betroffenen in Deutschland, über die gerade niemand so gerne reden will. Einerseits, weil der Ausbruch der Krankheit, gemessen an nationalen und internationalen Fallzahlen, als nicht besorgniserregend gilt. Andererseits, weil immer wieder zu lesen war, dass vor allem Männer betroffen sind, die Sex mit Männern haben.

Es überrascht daher nicht, dass viele Deutsche nur wenig oder gar nichts über die Krankheit wissen. Eine von Vorurteilen getriebene Berichterstattung, die gesellschaftliche Müdigkeit nach über zwei Jahren Pandemiegeschehen und eine tief verankerte Homofeindlichkeit haben das Übrige getan, die Affenpocken nicht bloß zum unbeliebten Nischenthema zu machen, sondern Betroffene zusätzlich mit einem Stigma zu belegen.