Erinnert euch mal bitte an den heutigen Morgen zurück. Nachdem ihr es endlich geschafft habt, den Snooze-Modus eures Weckers auszustellen, seid ihr vielleicht mit einer für euch individuell zusammengestellten Playlist in den Tag gestartet? Habt euch mit Alexa oder Siri unterhalten? Den Weg zur Arbeit via Navigationsapp geplant? Seid ihr über Werbeanzeigen bei Instagram gestolpert, die euch doch den einen oder anderen geheimen Wunsch erinnert hat?

So ziemlich jede:r von euch wird mindestens einmal "Ja" zu unseren Fragen gesagt haben und hatte damit heute zumindest schon einen Kontakt zu einer KI, einer künstlichen Intelligenz. Diese hat bereits in viele Bereiche unseres Lebens Einzug gehalten – neben den offensichtlichen Beispielen der Gedankenreise wie Pflegerobotern oder autonomem Fahren gibt es noch ganz andere KI-Anwendungsfelder. Denn die Grenze dessen, was inzwischen möglich ist, verschiebt sich mehr und mehr.


Mit neuen Technologien zu besseren Spielerlebnissen

Ausgerechnet im Gaming ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz relativ neu. Das wollt ihr vermutlich nicht so ganz glauben, wenn ihr an eure früheren Videospielzeiten zurückdenkt. Waren die computergesteuerte Fußballmanschaft, die kleinen Personen bei den Sims oder die gegnerischen Autos im Autorennen nicht auch schon KI?

Nein, tatsächlich nicht. Oder zumindest nicht ganz, wenn es nach heutigem Verständnis geht. Sowohl die Sims-Figuren als auch das Auto haben innerhalb vordefinierter Strukturen gehandelt und nicht auf Basis einer künstlichen Intelligenz, die konstant dazu lernt und die Handlungen der Figur im Laufe des Spiels zunehmend akkurater werden lässt. Daher kam es früher auch hin und wieder zu "Störungen" im Spiel, bei denen die Fußballspieler:innen seltsame Dinge mit dem Ball gemacht haben oder es das Auto nicht mehr zurück auf die Spur geschafft hat, nachdem es abgedrängt wurde. Ganz zu schweigen von den Kommentator:innen bei virtuellen Sportspielen, deren Aussagen oftmals nicht zum Spielgeschehen gepasst haben.


Potenzial der europäischen KI-Forschung sichtbar machen

Doch das soll sich jetzt ändern. Die Forschungskooperation Cyber Valley hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verzahnung von KI und Gaming zu stärken und gemeinsam mit dem Spiele-Entwickler Square Enix und der Venture-Capital-Firma IT-Farm den Wettbewerb AI GameDev ins Leben gerufen. Von Ende Juli bis Mitte Oktober konnten sich Teams aus der Forschung und Start-up-Szene aus ganz Europa mit ihren Ideen und Konzepten für die Entwicklung oder Verbesserung der Interaktivität von Computerspielen bewerben. Mit dabei waren beispielsweise intelligente Systeme, die Spielumgebungen erschaffen, die Bewegungsabläufe der Figuren optimieren oder Ideen, wie man automatisiert die immer komplexer werdenden Spiele vor Veröffentlichung testen kann.

Der Automobilsektor, intelligente Städte, das Gesundheitswesen, die verarbeitende Industrie, die Landwirtschaft, das Bildungswesen und viele andere große Bereiche nutzen jetzt Spiele- und Unterhaltungstechnologien.
Shinya Kasuga, Partner bei IT-Farm und Mitglied der Jury beim AI GameDev


Das Ziel des Wettbewerbs sei es, das ganze Potenzial der europäischen KI-Forschungs- und Start-up-Szene sichtbar zu machen und die besten Ideen auszuzeichnen, so Michael J. Black, Sprecher von Cyber Valley und Direktor am Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme.


Branchenübergreifende Lösungen schaffen

Shinya Kasuga, Partner bei IT-Farm und Mitglied der Jury beim AI GameDev, geht noch einen Schritt weiter: "Spiele und interaktive Unterhaltung sind die Frontier Markets für Technologien, welche die Interaktion zwischen Menschen und der Welt erfassen, modellieren, entdecken, verbessern und darstellen. Es geht um die ,Welt‘. Der Automobilsektor, intelligente Städte, das Gesundheitswesen, die verarbeitende Industrie, die Landwirtschaft, das Bildungswesen und viele andere große Bereiche nutzen jetzt Spiele- und Unterhaltungstechnologien, um ihr Kerngeschäft zu erneuern."

An der Schnittstelle zwischen Technologie und Unterhaltung, bietet die Gaming-Industrie die ideale Spielwiese, um KIs zu testen, frühzeitig weiterzuentwickeln und damit auf lange Sicht gar Lösungen für globale Herausforderungen zu schaffen.  

Sieben Teams haben es mit ihren Beiträgen in das Finale der AI GameDev geschafft. Am 2. Dezember entscheidet eine hochkarätig besetzte Jury über die Gewinner: innen des Hauptpreises für die innovativste KI-Lösung und den Wissenschaftspreis für die vielversprechendste wissenschaftliche Leistung. Außerdem haben alle Zuschauer die Chance, über den Publikumspreis abzustimmen. Die Preisverleihung könnt ihr von 10:00 bis 12:00 Uhr live auf YouTube mit verfolgen. Seid ihr dabei?