Jede:r ist heute Narzisst:in: Vorgesetzte, Ex-Freund:innen, Tinder-Dates. Was das über die Sprecher:innen aussagt, weiß der Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie der Universität Münster, Mitja Back.

ze.tt: Das Interesse an Narzisst:innen ist riesig. Es gibt unzählige Podcasts, YouTube-Videos und Ratgeber, die sich mit ihnen beschäftigen. Gibt es heute mehr Narzisst:innen als früher?

Mitja Back: Nein. Es gibt zwar erfolgreiche Bücher, die von einer "narzisstischen Epidemie" schreiben, aber Studien zeigen, dass es keinen Generationseffekt gibt und wir nicht von einer ganzen Horde von Narzisst:innen überrannt werden. Es stimmt aber, dass junge Leute narzisstischer als ältere sind. Das ergibt auch Sinn: Wer jung ist, will vorankommen, neue Ressourcen erschließen. Wer älter ist, will das, was er erreicht hat, bewahren, pflegt weniger Beziehungen und beklagt die jüngere Generation. Narzissmus ist aber erst mal keine Störung, die jemand hat oder nicht.