Das Kind impfen oder nicht? Manche Eltern diskutieren darüber erbittert. (Symbolbild) © portishead1/​Getty Images

Corona-Impfung für Kinder: "Geimpft könnte unsere Tochter einfach wieder Kind sein"

Lassen Sie Ihr Kind direkt nach der Zulassung impfen? Eltern erzählen vom Hoffen auf eine schnelle Impfung, Zögern ohne Stiko-Empfehlung und Streit mit dem Impfgegner-Ex. Von , und
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"Sobald es möglich ist, möchte ich unseren Sohn impfen lassen", schreibt uns ein Vater aus Bayern, der bereits ungeduldig auf die Zulassung eines Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren gewartet hat. "Mir war seit dem Sommer klar, dass im Herbst und Winter die Durchseuchung an den Schulen kommt."

Angesichts der sehr hohen Inzidenzen gerade unter Kindern und der extrem ansteckenden Delta-Variante ist es in den kommenden Wochen und Monaten schwierig, Kinder anders als durch eine Impfung vor einer Corona-Infektion zu schützen. Deshalb wollten wir von Eltern wissen, ob sie ihr Kind direkt nach der Zulassung impfen lassen wollen – und ob sie sich dabei mit dem anderen Elternteil auch einig sind. Mehr als 1.000 Eltern haben sich an der Umfrage beteiligt.

Die Impfung ist zugelassen

In den USA wurden in den vergangenen Wochen schon rund 2,6 Millionen Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen das Coronavirus geimpft. Nun ist die Impfung von Kindern auch in Europa offiziell freigegeben: Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hat entschieden, den Impfstoff von BioNTech/Pfizer auch für fünf- bis elfjährige Kinder zuzulassen.

Eine Einschätzung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) und damit eine mögliche Empfehlung der Impfung ab fünf Jahren durch die Expertenkommission steht noch aus. Ausgeliefert werden soll der niedriger dosierte Kinderimpfstoff laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zudem erst am 20. Dezember. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass Kinder so lange warten müssen. Impfende Ärztinnen und Ärzte können bis dahin aus den Impfstofffläschchen für Erwachsene entsprechend kleinere Mengen aufziehen. Das wäre dann eine Off-Label-Impfung, also mit einem Impfstoff ohne offizielle Zulassung, denn diese gilt nur für den Kinderimpfstoff. Manche Ärzte haben auf diese Weise bereits Kinder unter zwölf Jahren geimpft. Die Off-Label-Impfung ist nicht verboten, aber unter Kinderärztinnen durchaus umstritten.

Aus den zahlreichen Einsendungen zur Kinderimpfung haben wir 25 Stimmen ausgewählt. Sie sind nicht repräsentativ, zeigen aber die Bandbreite der Antworten unter den Eltern. Klicken Sie auf ein Zitat, um die Geschichte dahinter zu lesen.

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Der fehlende Schutz im Kitabereich hat uns dazu bewegt.
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Anonym, 41, Berlin
Wenn es irgendeine Möglichkeit gäbe, das Kind sofort zu impfen – wir würden es tun!
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Mirjam, 43, Schleswig-Holstein
Ich finde es haarsträubend, wie langsam es mit den Impfungen vorangeht.
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Florian, 40, Bayern
Ich habe bereits nach Mediatoren gesucht.
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Joshua, 40, Ulm
Unsere Kinder sollen keine Gefahr für die Großeltern sein.
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Anonym, 43, Niedersachsen
Unsere Tochter hat die Impfung vor der Stiko-Empfehlung bekommen.
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Simone R., 48, Düsseldorf
Die Frage nach der Impfung ist für unsere Kinder ein Loyalitätskonflikt.
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Anette H., 42, Luzern, Schweiz
Derzeit schieben wir die Diskussion hinaus.
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Anonyme Leserin, 35, Wedel
Wir verlassen uns auf die Einschätzungen des Kinderarztes.
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Christine, 38, Stuttgart
Meine Frau ist Impfgegnerin.
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Helmut, 46, Baden-Württemberg
Ich habe gehofft, dass die Erwachsenen sich impfen lassen.
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Stefanie, 49, Hessen
Unsere Tochter möchte nicht geimpft werden. Deshalb bin ich auch dagegen.
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Tina, 44, Bayern
Als mein Sohn gehört hat, dass er noch warten muss, war er enttäuscht.
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Sarah B., 38, Landkreis Karlsruhe
Wir hätten gerne ein ausführliches Arztgespräch.
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Anja, 39, Frankfurt am Main
Bei jedem Infekt hoffen wir, dass es nicht Covid ist.
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Janne, 35, Nordrhein-Westfalen
Wir haben auf Herdenimmunität gehofft.
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Bernd, 56, Leipzig
Die Mutter des Bonuskindes und ihr Mann sind gegen die Impfung.
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Stephanie, 40, Niedersachsen
Geimpft könnte unsere Tochter einfach wieder Kind sein.
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Franziska, 36, Leipzig
Überzeugt haben meinen Mann die enorm hohen Inzidenzen bei Kindern.
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Anonyme Leserin, 37, Bayern
Der Vater meines Kindes hat eine Angsterkrankung und Panik vor der Impfung.
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Sophie D., 45, Köln
Der Kindsvater ist Querdenker.
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Jana, 43, Jena
Mir geht es einfach darum, sicherzugehen.
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Anonyme Leserin, 32, Erfurt
Meine Tochter findet ihre Impfung klasse!
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Anonymer Leser
Die Impfung wird für uns alle eine große Erleichterung sein.
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Anonymer Leser, 35
Mein Ex-Partner und ich wollen uns gerne beraten lassen.
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Anonyme Leserin, 35, Nordrhein-Westfalen

Die Antworten verdeutlichen, wie unterschiedlich Eltern auf die Kinderimpfung blicken. Manche haben sich bereits um eine Off-Label-Impfung ihres Kindes bemüht oder diese zumindest erwogen. Andere wollen mindestens auf eine Empfehlung der Stiko warten. Einige sind unschlüssig. Und manche, darunter auch geimpfte Eltern, lehnen die Impfung für ihr Kind ab, zum Beispiel weil ihre Tochter selbst nicht geimpft werden möchte. Auffällig ist, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage angeben, vor allem auf den Rat ihres Kinderarztes zu vertrauen, unabhängig von Zulassung und Stiko. Viele Eltern sind zudem enttäuscht, dass sich so viele Erwachsene nicht haben impfen lassen. Sie hätten sich mehr Solidarität mit den Kindern gewünscht, für die es bislang keine Impfung gab.  

Aus den Einsendungen geht auch hervor, wie viel Konfliktpotenzial in der Entscheidung über die Impfung steckt. Denn längst nicht alle Eltern sind sich untereinander einig. Zahlreiche Teilnehmer berichten von Diskussionen, heftigen Auseinandersetzungen und teilweise unüberbrückbaren Differenzen mit dem anderen Elternteil. Mehrere Eltern berichten sogar, über rechtliche Schritte gegen ihren querdenkenden Ex-Partner oder ihre impfverweigernde Ex-Partnerin nachzudenken, um nach einer Stiko-Empfehlung die Impfung eines Kindes durchzusetzen.

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