Harald Martenstein: Über die Forderung nach mehr deutschem Pop im Radio

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Mehr deutsche Musik im Radio, diese Forderung hat unser Autor im Programm der AfD gefunden. Einen Vorschlag, wie man die Holzmichl-Quote austricksen kann, hat er auch. Von
Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 38/2014

Vor einiger Zeit hat der Volksliedsänger Heino eine CD veröffentlicht, auf der er Songs der Ärzte, von Rammstein und von Jan Delay gesungen hat. Die machen alle eine völlig andere Musik als er. Diese Platte habe ich mir aus Neugier gekauft, sie ist gar nicht übel. Ich würde auch sofort eine CD mit dem Titel Die Rolling Stones singen die schönsten Kirchenchoräle kaufen, Jan Delay goes Richard Wagner oder BAP – ihre größten Erfolge, jetzt auf Schwäbisch.

Was die neue Partei Alternative für Deutschland betrifft, gehöre ich voll zur Zielgruppe. Ich bin Mann, weiß, älter, Besitzer einer Heino-CD und habe studiert. Außerdem bin ich als Anhänger des Gymnasiums und Gender-Theorie-Leugner zweifellos ein Ewiggestriger. Meinetwegen könnt ihr morgen in der EU die Monarchie einführen. Hauptsache, der Kaiser ist Habsburger. Als ich aber kurz vor der Wahl in Sachsen das Parteiprogramm gelesen habe, bin ich über eine kulturpolitische Hauptforderung gestolpert. Sie lautet: "Die parlamentarischen Vertreter in den Rundfunkräten sollen sich für einen deutlich höheren Anteil deutschsprachiger Titel an den Ausstrahlungen in Rundfunk und Fernsehen einsetzen."