Impfungen sind das stärkste Werkzeug gegen die Pandemie: Sie schützen zuverlässig gegen eine schwere Erkrankung mit Covid-19 und sie verhindern einen großen Teil der Ansteckungen. Wie wirken sich die Impfungen auf die Infektionszahlen aus? Und wie schnell impft Deutschland im internationalen Vergleich?

Am Anfang ging es vielen zu langsam mit dem Impfen voran, mittlerweile können sich jede Bürgerin und jeder Bürger ab zwölf Jahren in Deutschland impfen lassen. Ab dem Spätsommer ging die Nachfrage nach Impfstoff deutlich zurück, inzwischen steigt sie wieder an. Außerdem werden inzwischen zahlreiche Auffrischungsimpfungen ("Booster") verabreicht, die den nach einigen Monaten nachlassenden Schutz wiederherstellen sollen.

Derzeit werden hierzulande die Impfstoffe der Hersteller BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson gespritzt. Bisher wurden in Deutschland insgesamt 122.466.575 Dosen dieser Mittel verimpft.

Der größte Teil der über 60-Jährigen ist inzwischen bereits zweimal geimpft. Nun stehen Auffrischungen des nachlassenden Schutzes an. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren ist die Impfquote dagegen deutlich niedriger. Noch geringer fällt sie bei Kindern und Jugendlichen aus, hier sind außerdem die Unterschiede zwischen den Bundesländern besonders groß. Die Ständige Impfkommission empfiehlt Menschen ab zwölf Jahren erst seit Mitte August eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech oder Moderna) gegen Covid-19. Für Unter-12-Jährige gibt es bislang keine Impf-Empfehlung; die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Impfung aber inzwischen ab fünf Jahren zugelassen.

Die hier dargestellten Impfquoten sind womöglich zu niedrig und könnten in Wahrheit höher ausfallen. Vor allem in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen gibt es Hinweise auf eine Untererfassung, berichtet das Robert Koch-Institut.


Mitglieder der Bundes- und Landesregierung hatten das im internationalen Vergleich eher schleppende Impftempo in Deutschland anfangs mit dem begrenzten Liefervolumen der Hersteller begründet. Doch die Daten zeigen, dass selbst die gelieferten Mengen nicht vollständig zeitnah verimpft werden. Zum Teil waren die Rückstände erklärbar: Mit Ausnahme von Johnson & Johnson erfordern alle Mittel die Gabe einer zweiten Impfdosis im Abstand von einigen Wochen, weshalb viele Bundesländer einen Teil der Chargen bewusst zurückhielten. Mittlerweile sind die gelagerten Bestände jedoch kleiner geworden und auch kam mehr nötig.

Aus den Lieferplänen der Hersteller lässt sich ablesen, mit wie vielen Dosen in den kommenden Wochen zu rechnen ist. In der Vergangenheit lieferten die Pharmaunternehmen jedoch teilweise mit Verspätung oder weniger als die vereinbarte Menge.

Von den mittlerweile vier in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffen hat die EU-Kommission insgesamt mindestens 1,4 Milliarden Dosen für die rund 450 Millionen Europäer geordert. In Deutschland können sich längst jede und jeder impfen lassen. Allerdings ist nur ein Teil der Bevölkerung auch dazu bereit. Ersten Umfragen zufolge könnten nur etwa 60 bis 80 Prozent derer, die für eine Impfung infrage kommen, auch tatsächlich einen Termin vereinbaren.

Die Pandemie trifft Geimpfte und Ungeimpfte sehr unterschiedlich. Das zeigen Daten über symptomatische Infektionen aus dem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts, die ZEIT ONLINE ausgewertet hat – es wurden also all die Fälle berücksichtigt, bei denen nicht nur der PCR-Test auf das Coronavirus positiv ausfiel, sondern der oder die Infizierte auch Symptome verspürte. Das Ergebnis: Ungeimpfte erkranken sehr viel häufiger und sind damit nicht wie die meisten Geimpften vor einem schweren Verlauf von Covid-19 geschützt.

Die Wirkung der Impfungen lässt sich auch daran erkennen, dass ältere Menschen heute seltener erkranken als jüngere. Denn im Alter von 80 Jahren und älter sind die meisten Menschen mittlerweile geimpft. 


Weltweit wurden bislang 7.920.640.450 Dosen verimpft. Die Länder der Europäischen Union haben gemeinsam Impfstoffe bestellt. Sie verteilen sie untereinander entsprechend der Einwohnerzahl der Mitgliedsstaaten, weshalb sich der Impffortschritt innerhalb der EU nur wenig unterscheidet. Andere Industrienationen wie Israel, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten kommen deutlich schneller voran. Zahlreiche ärmere Länder hingegen haben bislang keinen oder kaum Impfstoff erhalten.

China und Russland haben jeweils eigene Impfstoffe entwickelt und exportieren diese an Drittstaaten. In der EU sind die russischen und chinesischen Impfstoffe nicht zugelassen.

Andere Herstellerländer wie die USA und das Vereinigte Königreich haben die Ausfuhr von Impfstoffen bislang unterbunden. So entsteht eine globale Schieflage. In Ländern ohne ausreichenden Impfstoff steigt dadurch auch das Risiko, dass neue Corona-Mutanten entstehen.