Das Coronavirus ist in Italien offenbar schon viel länger aktiv als bislang angenommen. Genetische Spuren des Erregers Sars-CoV-2 seien in Abwässern der beiden norditalienischen Großstädte Mailand und Turin vom 18. Dezember sowie in Abwässern aus Bologna vom 29. Januar nachgewiesen worden, heißt es in einer Stellungnahme von Italiens nationalem Gesundheitsinstitut ISS, über die die Nachrichtenagentur AFP zuerst berichtete.

Offiziell festgestellt worden war der Coronavirus-Ausbruch in Italien erst Mitte Februar. Für die ISS-Studie wurden 40 Abwasserproben untersucht, die zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 genommen wurden. Die Ergebnisse von Oktober und November seien demnach alle negativ ausgefallen. Die Untersuchungen wurden von zwei unterschiedlichen Laboren mit unterschiedlichen Methoden bestätigt.

Das ISS wies aber darauf hin, dass die Entdeckung der Virusspuren nicht automatisch bedeute, dass die Hauptübertragungsketten, die zu dem schweren Verlauf der Epidemie in Italien geführt haben, aus diesen allerersten Fällen entstanden seien. Für die Kontrolle der Verbreitung des Virus könnten Gewässerproben aber hilfreich sein.

Wie in Italien hatten auch Forscherinnen und Forscher in den Niederlanden im März Virusbestandteile aus dem Abwasser gefischt. Es ist mittlerweile bekannt, dass das Virus bei manchen Infizierten noch wochenlang in Stuhlproben nachweisbar sein kann, wenn ein Rachenabstrich längst negative Ergebnisse zeigt.  

Wuhan gilt als Ausgangspunkt der Pandemie

Als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie gilt die chinesische Millionenmetropole Wuhan. Dort wurde das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen festgestellt. Einige Wochen später entwickelte sich Italien und dort insbesondere der Norden zum Epizentrum der Pandemie in Europa. Wochenlang mussten die Menschen in ihren Wohnungen und Häusern bleiben, nachdem die italienische Regierung eine strenge Ausgangssperre verhängt hatte. In dem Land sind mehr als 34.000 Menschen an der Covid-19-Erkrankung gestorben, fast 240.000 haben sich nach Angaben des Zivilschutzes bisher mit dem Virus angesteckt. Besonders betroffen sind die Regionen Lombardei mit der Metropole Mailand, Piemont mit der Stadt Turin, Venetien und die Emilia-Romagna.

Mittlerweile hat sich das Virus weltweit ausgebreitet, besonders betroffen sind derzeit die USA und Lateinamerika. In Deutschland wurde der erste Fall im Januar bekannt.