Losmaschine aus der Antike: das Kleroterion © stock&people/​imago images

Was ist das? Es ist rechteckig, hoch wie eine Parkuhr, übersät von kleinen Schlitzen und hat an der Seite eine Röhre, durch die Kugeln rattern. Eine Stechuhr? Ein Sparautomat? Es ist eine Losmaschine aus der Antike, das Kleroterion. Reste dieser Apparate kann man in griechischen Museen bewundern; und einen Nachbau an der Uni Hamburg: Dort hat die Geschichtsprofessorin Kaja Harter-Uibopuu ein Kleroterion für ihre Seminare konstruiert.

Aber wozu ist es gut? Etwa von 500 vor Christus an beginnen die alten Griechen, vor allem die Athener, solche Apparate zu benutzen. Sie waren zuerst aus Holz, später aus Marmor und eine Art Schlüsseltechnologie für die Demokratie. Ein wichtiges Element der politischen Verfassung Athens war die Beteiligung von möglichst vielen Bürgern am politischen Prozess und am Gemeinwesen. Um allen freien Männern – Frauen und Sklaven waren ausgeschlossen – die gleiche Chance auf Teilhabe zu gewährleisten, wurde das Los eingesetzt: So wurden Amtsträger, Aufseher über die Brunnen und Märkte wie auch Richter bestimmt  – oft gleich Hunderte auf einmal, wenn Gerichtstag war. Das ging nur mit einer Losmaschine.

Wir sprechen in unserer Sendung mit dem Politologen Herfried Münkler über die attische Demokratie, lassen uns von Kaja Harter-Uibopuu den Apparat erklären und fragen, warum gerade das Losen im alten Griechenland als besonders demokratisch galt – das Wählen aber als elitär verpönt war. Und wir fragen, ob auch wir heute von der Demokratie der alten Griechen lernen können.

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Alle Folgen von "Wie war das noch mal?" hören Sie hier. Die Redaktion erreichen Sie per Mail unter [email protected]

Einen kurzen Film, in dem Kaja Harter-Uibopuu das Hamburger Kleroterion vorführt, finden Sie hier.

Und 2019 erschien das Buch Abschied vom Abstieg. Eine Agenda für Deutschland, in dem Herfried Münkler und seine Frau Marina Münkler sich Gedanken über die Wurzeln und die Zukunft unserer Demokratie machen.