Ärzte in den USA haben erstmals einem schwer kranken Patienten ein Schweineherz transplantiert. Drei Tage nach der Operation gehe es dem Patienten gut, teilte das Klinikum der Universität von Maryland mit. Die Transplantation habe gezeigt, dass ein Herz eines genetisch veränderten Tiers in einem menschlichen Körper funktionieren könne, ohne sofort abgestoßen zu werden. Ob die höchst experimentelle Operation tatsächlich ein Erfolg war, muss sich allerdings noch erweisen.

Der Sohn des 57-jährigen Patienten sagte, sein Vater habe gewusst, dass es keine Erfolgsgarantie für das Experiment gebe, aber er habe im Sterben gelegen, ohne Aussicht auf Transplantation eines menschlichen Herzens. Die Universität von Maryland zitierte den Patienten David Bennett mit den Worten: "Ich will leben. Ich weiß, dass es ein Schuss ins Blaue ist, aber es ist meine letzte Wahl." Bennett litt an einer Herzerkrankung im Endstadium.

Entsprechend habe er sich einen Tag vor der Operation in dem Krankenhaus in Baltimore geäußert. Die zuständige US-Arzneimittelbehörde FDA hatte für die Operation eine Notfallgenehmigung erteilt. Sie ist möglich, wenn ein lebensbedrohlich erkrankter Patient keine anderen Optionen hat. Die Operation am Freitag dauerte sieben Stunden.

Mediziner streben seit Jahrzehnten danach, eines Tages tierische Organe für lebensrettende Transplantationen zu nutzen. Frühere Versuche scheiterten, vor allem weil der Körper der Patienten das tierische Organ rasch abstieß. So lebte 1984 ein Säugling 21 Tage lang mit dem Herzen eines Pavians, danach wurden entsprechende Versuche weitgehend eingestellt.

Schwein wurde genetisch modifiziert

2018 teilte die Ludwig-Maximilians-Universität München mit, erfolgreich ein genetisch verändertes Schweineherz Pavianen eingesetzt zu haben, die danach ein halbes Jahr lebten. Zuvor seien bei entsprechenden Versuchen 60 Prozent der Tiere innerhalb zweier Tage gestorben.

Auch in Maryland nutzten die Chirurgen das Herz eines genetisch veränderten Schweins. Ihm wurde ein Zuckerstoff in den Zellen entfernt, der für die extrem schnelle Organabstoßung verantwortlich ist. In dessen Genom seien sechs menschliche Gene eingesetzt worden. "Wenn das funktioniert, wird es einen endlosen Nachschub dieser Organe geben für Menschen, die leiden", sagte Muhammad Mohiuddin, der wissenschaftliche Direktor des Tier-zu-Mensch-Transplantationsprogramms der Universität.

"Das war eine bahnbrechende Operation und bringt uns der Lösung der Organmangelkrise einen Schritt näher", sagte der Chirurg Bartley Griffith, der die Operation durchgeführt hatte. "Es gibt einfach nicht genug Organspender, um die vielen potenziellen Empfänger zu versorgen."