Update: Der diesjährige Physiknobelpreis geht zur Hälfte an den britischen Forscher Roger Penrose für die Entdeckung, dass sich die Entstehung Schwarze Löcher mit der Allgemeinen Relativitätstheorie vorhersagen lässt. Die andere Hälfte geht an die US-Astronomin Andrea Ghez und den deutschen Astrophysiker Reinhard Genzel für die Entdeckung eines solchen supermassiven Objekts im Zentrum unserer Galaxie.

Frühestens um 11.45 Uhr wird die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm verkünden, wer den Physiknobelpreis 2020 erhält. Die Bekanntgabe können Sie oben im Livestream schauen und später als Aufzeichnung. In den nächsten Tagen folgen dann die Kategorien Chemie, Literatur und Frieden und schließlich der Wirtschaftspreis zu Ehren Alfred Nobels. 

597 Nobelpreise wurden insgesamt bis 2019 verliehen. Die Auszeichnung wird seit 1901 vergeben.

919 Personen und 24 Organisationen haben bis 2019 einen Nobelpreis erhalten. Maximal drei Personen können sich einen Preis teilen.

Bereits am Montag verkündete das Nobelkomitee am Karolinska-Institut in Stockholm die diesjährigen Preisträger für Physiologie oder Medizin. Die drei Wissenschaftler Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice werden für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus geehrt. Dank ihrer Arbeit seien heute hochempfindliche Bluttests für das Virus verfügbar. Damit habe "die Hepatitis nach Bluttransfusionen in vielen Teilen der Welt beseitigt" werden können, teilte das Nobelkomitee mit. Die Entdeckung ermöglichte zudem die rasche Entwicklung antiviraler Medikamente gegen Hepatitis C. "Zum ersten Mal in der Geschichte kann die Krankheit nun geheilt werden." Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 71 Millionen Menschen und damit etwa ein Prozent der Weltbevölkerung chronisch mit Hepatitis C infiziert, das bei Menschen unter anderem Leberzirrhose und Leberkrebs verursachen kann.

Über 60, männlich und weiß

Wer raten soll, wer einen Nobelpreis erhält, liegt mit ein paar Dingen meist immer richtig: Die Geehrten sind höchstwahrscheinlich älter als 60 Jahre, männlich, weiß und haben vor allem in den USA geforscht und gearbeitet.

Nur 53 Frauen wurde bis 2019 ein Nobelpreis zugesprochen. Die Wissenschaftlerin Marie Curie erhielt ihn zweimal – 1903 für Physik und 1911 für Chemie.

97 Jahre alt war John B. Goodenough, als er 2019 den Chemienobelpreis erhielt. Der Materialwissenschaftler ist der bislang älteste Preisträger.

17 Jahre alt war Malala Yousafzai alt, als sie 2014 den Friedensnobelpreis erhielt. Die Kinderrechtsaktivistin ist die bislang jüngste Preisträgerin.

Die Gründe für den Männerüberschuss sind leicht zu erklären: "Der Fakt, dass wir nicht so viele Frauen als Preisträgerinnen hatten, spiegelt in erster Linie die Situation in den Wissenschaften vor 30 bis 50 Jahren wider", sagte der Exekutivdirektor der Nobelstiftung, Lars Heikensten der Deutschen Presse-Agentur. Wissenschaft und Forschung sind teils bis heute noch vor allem von Männern geprägt und dominiert. Und da die meisten Preise für Entdeckungen, Errungenschaften und Erkenntnisse verliehen werden, die oft viele Jahre zurückliegen, sind es eben Forscher und nicht Forscherinnen, die geehrt werden.

"Wir wissen um die strukturellen Mängel in der Art und Weise, wie Frauen innerhalb des universitären Systems behandelt worden sind", sagt Heikensten. Heute seien weitaus mehr Wissenschaftlerinnen aktiv als früher, weshalb er hoffe und auch davon ausgehe, dass die schon seit einigen Jahren leicht zunehmende Zahl der Nobelpreisträgerinnen in Zukunft weiter steigen werde. "Mit dem Preis schaffen wir Vorbilder", sagt Heikensten, "und je mehr Preisträgerinnen wir haben, desto mehr wird das helfen, andere Frauen zur Wissenschaft zu ermutigen".

Mit 10.000.000 Schwedischen Kronen ist 2020 jede Nobelpreiskategorie dotiert, das sind rund 950.000 Euro. Zudem erhalten Preisträger eine Medaille und eine Urkunde.

Mal schauen, was dieses Jahr passiert. Die Coronavirus-Pandemie verändert übrigens die Feierlichkeiten zu den Nobelpreisen, die traditionell rund um den 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Schweden und Norwegen verliehen werden. Die Übergabe von Urkunden und Medaillen soll nicht wie sonst üblich in der Konzerthalle in Stockholm stattfinden. Stattdessen gibt es eine digitale Zeremonie aus dem Rathaus mit wenigen Gästen. Die Preisträger und hoffentlich auch Preisträgerinnen sollen nicht anreisen müssen und sollen an ihren Wohnorten über ihre Unis oder zu Hause gefeiert werden. Die Verleihung des Friedensnobelpreises, die alljährlich im norwegischen Oslo begangen wird, soll auch sehr viel kleiner ausfallen – mitunter auch mit digital zugeschalteten Preisträgerinnen und Preisträgern.

Verfolgen Sie die diesjährige Bekanntgabe aller geehrten Personen und eventuell Organisationen auf ZEIT ONLINE. Die komplette Berichterstattung finden Sie ab heute auf dieser Seite.

49 Mal hat es keinen Nobelpreis gegeben (gezählt in allen Kategorien), vor allem in Weltkriegs- und Krisenjahren. Der Wirtschaftspreis wurde seit seiner Stiftung 1969 immer vergeben.

4 Preisträger waren gezwungen, Nobelpreise abzulehnen. Adolf Hitler untersagte 1938 dem Chemiker Richard Kuhn und 1939 dem Chemiker Adolf Butenandt sowie dem Mediziner Gerhard Domagk die Annahme. Die Sowjetunion sagte 1958 für den Schriftsteller Boris Pasternak ab.

2 Preisträger lehnten den Nobelpreis ab. Jean-Paul Sartre den Literaturnobelpreis 1964 und Lê Đức Thọ 1973 den Nobelpreis für Friedensverhandlungen zum Ende des Vietnamkriegs.

3 Personen saßen im Gefängnis, als ihnen der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde. Der deutsche Friedensstifter Carl von Ossietzky (1935), die myanmarische Politikerin Aung San Suu Kyi (1991) und der chinesische Menschenrechtsaktivist Liu Xiaobo (2010).