Eine halbe Billion Euro: So groß ist der Investitionsbedarf für Atomkraftwerke in der EU, schätzte kürzlich der Brüsseler Kommissar für den Binnenmarkt, Thierry Breton. Was der französische Politiker nicht sagte: Das Geld wird zu großen Teilen vom französischen Energiekonzern EDF benötigt. Ihm gehört der größte Kraftwerkspark Europas, nämlich die 56 Meiler im eigenen Land – und er steckt hinter nahezu jedem neuen Atomprojekt in der EU, ob in Finnland, Tschechien, Polen oder Großbritannien.

So kann der Pariser Staatskonzern als der große Gewinner der sogenannten Taxonomie gelten, dem neuen grünen Label der EU-Kommission für nachhaltige Finanzierungen. Nach der Taxonomie werden sowohl Erdgas als auch Atomkraft als grüne Energien für den Übergang in eine emissionsarme Zukunft gekennzeichnet. Das ist die Folge eines Deals zwischen Frankreich und Deutschland: Der frühere Finanzminister Olaf Scholz (SPD), heute Bundeskanzler, wollte Gas als grüne Übergangsenergie verankern; die Franzosen die Atomkraft. Für Deutschland erleichtert dies die Finanzierung neuer Gaskraftwerke, in Frankreich aber hilft die Taxonomie bei einem seit Jahrzehnten schwelenden, durchaus größeren Problem: Der Staatskonzern EDF ist stark überschuldet und hat marode Meiler. Das neue "grüne" Geld könnte ihm das Überleben sichern.