Die Bundesbank rechnet für das Jahr 2022 inzwischen mit einer Inflation von nahezu sieben Prozent. Vor allem wegen des Anstiegs der Energiepreise seien die Inflationsraten im Euroraum auf ein nie dagewesenes Niveau gestiegen, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum war im April auf 7,5 Prozent und damit den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen. Die Bundesbank gehe davon aus, "dass die Inflationsrate in Deutschland im Jahr 2022 knapp sieben Prozent erreichen wird", sagte Nagel. 

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,4 Prozent. Die Behörde bestätigte damit eine erste Schätzung. Es ist die höchste Inflationsrate seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990. In den alten Bundesländern gab es zuletzt im Herbst 1981 zu Zeiten des ersten Golfkriegs einen ähnlich hohen Stand.

Energie und Lebensmittel so teuer wie nie

Vor allem stark gestiegene Preise für Energie lassen die Rate nach oben gehen – im Vergleich zum Vorjahresmonat wuchsen sie um 35,3 Prozent. Der Krieg in der Ukraine hat diesen Trend verstärkt. Auch Lebensmittel sind im April mit 8,6 Prozent überdurchschnittlich teurer geworden. Im März war die jährliche Teuerungsrate schon auf 7,3 Prozent gestiegen. Von März auf April stiegen die Verbraucherpreise demnach um 0,8 Prozent.

Höhere Inflationsraten verringern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich dann weniger leisten können. Die Bundesregierung hat inzwischen milliardenschwere Entlastungspakete vorbereitet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unterdessen signalisiert, dass sie angesichts der hohen Inflation bei der Ratssitzung am 9. Juni ein Ende der Nettoanleihenkäufe beschließen könnte. Laut Bundesbankchef Nagel sollte darauf "eine zeitnahe erste Zinserhöhung folgen", möglicherweise schon im Juli. Die Einstellung der Käufe ist laut EZB eine Voraussetzung für eine Erhöhung der Zinsen, was als mögliches Mittel gegen eine steigende Inflationsrate gilt.

Der Leitzins im Euro-Währungsraum liegt seit sechs Jahren auf dem Tief von null Prozent. Seit Jahren steckt die EZB zur Unterstützung der Konjunktur Milliarden in den Kauf von Staatsanleihen und Unternehmenspapieren.