Etwa drei Monate nach dem Hochwasser, das auch Nordrhein-Westfalen stark getroffen hat, haben in dem Bundesland bisher etwa 5.500 Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft Anträge auf Wiederaufbauhilfen gestellt. "Das ist eine ganze Menge in 30 Tagen", sagte Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) bei der Vorstellung eines Zwischenfazits zum Wiederaufbau. Jeden Tag wachse die Zahl der eingereichten Anträge.

Den Angaben zufolge haben sich bisher etwa 15.800 Menschen im Onlinesystem registriert, 10.800 Anträge seien angelegt worden. Laut Scharrenbach handelt es sich hierbei um alles von der Erstattung des Hausrats bis hin zum Komplettabgang von Gebäuden. Bewilligungen von Anträgen werden seit dem 1. Oktober ausgesprochen.

Unterstützung in der Antragstellung erfahren Betroffene nach Scharrenbach unter anderem bei einem Servicetelefon. Dort seien bis zum Montag insgesamt mehr als 17.500 Anrufe eingegangen. Die Soforthilfen der Landesregierung seien mittlerweile ausgezahlt.

Vom 13. September bis zum 24. Oktober befinden sich zudem 350 Beraterinnen und Berater in den Hochwassergebieten der Regionen, um Betroffenen vor Ort mit den Anträgen zu helfen. Zusätzlich sollen freiwillige Helfer aus den Landesbehörden die Bezirksregierungen Köln, Arnsberg und Düsseldorf bei der Bewilligung der Anträge unterstützen. Das Ministerium will zudem Expertinnen und Experten aus den Bereichen Städtebau und Stadtplanung einsetzen, die bereits im Ruhestand sind. Diese sollen Planungen steuern, um die zerstörte Infrastruktur wiederherzustellen.

Kommunen können seit Mittwoch einen Antrag für Aufbauhilfen für die öffentliche Infrastruktur stellen. Auch nicht kommunale Träger von Bildungs-, Kultur-, Sport- und sonstigen Infrastruktureinrichtungen sowie Vereine können Anträge stellen. Mit dem Zuschuss sollen bis zu 100 Prozent der Kosten für Neubau sowie Abriss- und Aufräumarbeiten gedeckt werden. Schadensbestätigung an Vereinsinventar wird mit bis zu 15.000 Euro unterstützt. Das Bundesforschungsministerium will den Wiederaufbau wissenschaftlich begleiten und ein zuständiges Gremium mit fünf Millionen Euro fördern.

Bundespräsident - Frank-Walter Steinmeier besucht Ahrtal Der Bundespräsident hat sich in Ahrweiler ein Bild vom Stand des Wiederaufbaus gemacht. Bei der Flutkatastrophe im Juli waren etliche Häuser und Straßen zerstört worden. © Foto: Boris Roessler/dpa

Erste Gelder in Rheinland-Pfalz ausgezahlt

Auch in Rheinland-Pfalz sind die ersten Mittel aus dem Bund-Länder-Hilfsfonds verteilt worden. "Es wurden über 8.300 Anträge gestellt, 2.000 schon fertig bewilligt und am Montag sind die ersten Gelder ausgezahlt worden", sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) im Radio des Südwestrundfunks.

Hierbei könnten Hilfen für zerstörten Hausrat deutlich schneller genehmigt werden als für ganze Gebäude oder Grundstücke. Im Fokus stehe derzeit der Wiederaufbau des Heizungsnetzes. Zerstörte Erdgasleitungen würden repariert und mobile Erdgastanks aufgebaut. Ziel sei, "dass kein einziger Haushalt kalt über Herbst und Winter kommen" müsse.

Mitte Juli haben starke Regenfälle in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu Hochwasser geführt. 183 Menschen starben, ganze Häuser wurden davongespült und Infrastruktur vielerorts zerstört. Auch in Bayern und Sachsen hat die Flut Schäden verursacht. Die Bundesregierung hat Anfang September eine Verordnung zur Verteilung der Hilfen aus dem 30 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds beschlossen.