Es besteht ein breiter Konsens, dass der Schutz von Klima und Umwelt zentral für Generationengerechtigkeit ist. Ähnliches gilt aber auch für einen anderen Aspekt: die Rente. Niemand kann mittlerweile mehr leugnen, dass die gesetzliche Rente in Deutschland auf einem gefährlichen Pfad ist, den impliziten Generationenvertrag zu sprengen und künftigen Generationen eine nicht mehr zu tragende Bürde aufzuerlegen. Die Politik darf gerade im Wahlkampf dieses Thema nicht weiter ignorieren.

Öffentliche Debatten zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung enden fast immer mit dem Argument, man wolle den Rentnerinnen und Rentnern nicht schaden und die Renten müssten erhöht werden. Es ist schwer, dem zu begegnen, denn viele Ältere können von ihrer Rente nicht leben, obwohl sie ein Leben lang hart gearbeitet haben. Es ist aber sehr viel schwerer zu vermitteln, dass die gesetzliche Rente Teil eines Generationenvertrags ist, denn in Deutschland wird sie als Umlage finanziert: Junge Menschen zahlen die Rente für die älteren, sodass sie selbst im Alter ihre Rente von der jungen Generation erhalten. Und kaum einer schaut sich an, was die junge Generation heute leisten muss, um diese Rente aufzubringen, und welche Gefahren dies mit sich bringt.

Rente ist längst nicht mehr "sicher"

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das staatliche Versprechen einer "sicheren Rente" schon lange nicht mehr zu halten ist. Das Rentenniveau von knapp 48 Prozent des durchschnittlichen Lebenseinkommens ist für Geringverdienende mittlerweile nicht mehr ausreichend, sodass immer mehr in Altersarmut fallen und auf die Grundsicherung des Staates angewiesen sind – zumal die meisten Geringverdienenden auch kaum eine Absicherung über die zweite und dritte Säule der Rente (die Betriebsrente und die private Vorsorge) haben. Zwar hat die Politik dieses Problem erkannt, aber die vor einigen Jahren eingeführte "Respektrente", die Menschen nach 35 Beitragsjahren eine Mindestrente leicht über dem Grundsicherungsniveaus garantiert, ist nicht mehr als ein trauriges Trostpflaster.

Eine riesige finanzielle Belastung für die junge Generation

Daher ist es einerseits verständlich, dass nicht wenige mit Empörung reagieren, wenn "Reformen" der gesetzlichen Rentenversicherung gefordert werden. Der andere Teil der Wahrheit ist jedoch, dass schon heute die Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung eine riesige finanzielle Belastung für die junge Generation sind. Nicht nur müssen die Jüngeren selbst knapp 20 Prozent ihres Lohns für die Sozialversicherung abführen, der andere Teil kommt von den Arbeitgebern. Hinzu kommen riesige Steuersubventionen für die gesetzliche Rentenversicherung von knapp 100 Milliarden Euro oder drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Subventionierung durch das Steuersystem ist clever, aber perfide, denn dies bedeutet, dass die jungen Menschen nicht nur durch ihre Beiträge, sondern auch durch ihre Steuern für die gesetzliche Rente zahlen – nur dass sie für ihre Steuern selbst keine Ansprüche auf eine eigene Rente erwerben. Kurzum, die Logik des Generationenvertrages der Rente ist schon längst ausgehebelt.

Wie konnte das passieren, wenn die Politik doch immer eine sichere Rente versprochen hat? Die kurze Antwort ist: Vor allem der demografische Wandel ist schuld. Die Geburtenrate ist seit dem Höhepunkt Mitte der Sechzigerjahre dramatisch gefallen (sie hat sich fast halbiert). Hinzu kommt aber eine eigentlich hervorragende Botschaft: Die Menschen werden immer älter und genießen daher eine immer längere Zeit ihren Ruhestand und die damit verbundene Rente. War die verbleibende Lebenserwartung nach Renteneintritt in den Sechzigerjahren noch wenig mehr als fünf Jahre, so beträgt sie mittlerweile mehr als 15 Jahre. So steigt der Altenquotient stetig an: Immer weniger junge Menschen müssen für immer mehr ältere Menschen die Rente zahlen.

Über die Lösung dieses Konflikts wird heftig gerungen. Gleichzeitig enthält der Streit jedoch einen großen blinden Fleck. Ein jüngst veröffentlichtes und heftig kritisiertes Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates des Bundeswirtschaftsministeriums (zur Transparenz: Ich bin Mitglied in diesem Beirat) hat unter anderem eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und damit eine Erhöhung des Renteneintrittsalters vorgeschlagen. Dies wurde unisono von fast allen politischen Parteien abgelehnt. Eine Kürzung der Rente oder ein Anstieg der Beitragssätze wurde von der gegenwärtigen Bundesregierung zumindest bis 2025 ausgeschlossen (mit dem schönen Begriff der "doppelten Haltelinie").