Der serbische Tennisspieler Novak Đoković ist in Australien erneut in Gewahrsam genommen worden. Das teilten Đokovićs Anwälte mit, nachdem die australische Regierung sein Visum am Freitag ein zweites Mal für ungültig erklärt hatte. Gerichtsunterlagen zufolge wird der 34-Jährige an einem Ort in Melbourne festgehalten.

Derweil prüft zunächst ein Gericht seinen Einspruch gegen seine Abschiebung aus Australien. Richter David O'Callaghan kündigte zunächst an, das Gericht werde sich mit allen Parteien in Verbindung setzen, um zu klären, ob das Verfahren von einem einzelnen Richter oder dem gesamten Gericht verhandelt werden wird.

Endgültige Entscheidung am Sonntag

Wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtet ist diese Entscheidung nun gefallen: Die Anhörung wird am Sonntag um 9.30 Uhr Ortszeit vor drei Richtern am Bundesgericht in Australien stattfinden. Wie aus einem Gerichtsbeschluss vom Freitagabend hervorgeht, soll Đoković zuvor durch Beamte der australischen Einwanderungsbehörde befragt werden.

Die Besetzung des Gerichts bei der Anhörung spielt in dem Fall eine wichtige Rolle: Dem Bericht zufolge können nach einer Entscheidung durch drei Richter keine Rechtsmittel mehr gegen das Urteil eingelegt werden. Đoković stünde dann kein Weg mehr offen, seine Hoffnung auf die Teilnahme an den Australian Open, die am Montag in Melbourne beginnen, zu erfüllen.

Die australische Regierung argumentierte den Gerichtsunterlagen zufolge, der Aufenthalt des ungeimpften Tennisspielers im Land könne eine "Antiimpfstimmung fördern". Die Aufhebung von Đokovićs Visum hatte Einwanderungsminister Alex Hawke mit "Gründen der Gesundheit und der öffentlichen Ordnung" gerechtfertigt.

Đoković droht dreijährige Einreisesperre

Đoković wollte bei dem Turnier in Melbourne seinen 21. Grand-Slam-Sieg holen und damit einen neuen Rekord aufstellen. Er ist bekennender Impfskeptiker und nach eigenen Worten nicht gegen das Coronavirus geimpft. Trotz der Corona-Impfpflicht für einreisende Ausländer ist der Weltranglistenerste nach Australien geflogen.

Er nahm für sich eine Ausnahme in Anspruch, da er am 16. Dezember positiv auf das Coronavirus getestet worden sei und damit einen Status als Genesener habe. Die australischen Einreiseregeln sehen jedoch für Ausländer keine Impfbefreiung nach einer kürzlich durchgemachten Infektion vor.

Bereits bei Đokovićs Einreise am 5. Januar hatten die Behörden dessen Visum für ungültig erklärt. Anfang der Woche gab ein Richter einem Einspruch seiner Anwälte wegen eines Verfahrensfehlers statt, Đoković durfte das Abschiebehotel nach vier Nächten verlassen. Seitdem trainierte er in Melbourne für das anstehende Turnier.

Mit der Annullierung seines Visums droht dem 34-Jährigen neben der Abschiebung auch eine dreijährige Einreisesperre in Australien.

Der Fall Đoković hat in den vergangenen Tagen immer neue Wendungen genommen. Falsche Angaben zu seinen Reiseaktivitäten vor dem Flug nach Melbourne erklärte er zu einem Fehler seines Teams. Auch wegen eines Treffens mit jungen Tennisspielern in seiner Heimat direkt nach seinem positiven Corona-Test und wegen eines Interviewtermins einen Tag später gab es Kritik an dem 34-Jährigen.