In dem Skandal um ein antisemitisches Kunstwerk bei der documenta fifteen in Kassel hat Kulturstaatsministerin Claudia Roth Konsequenzen für die Struktur der Ausstellung gefordert. Im Kern will der Bund mehr Einfluss auf die documenta bekommen. In dem fünf Punkte umfassenden Plan, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert, geht es um Aufarbeitung und Konsequenzen.   

"Die documenta-Geschäftsführung wie das Kuratoren-Kollektiv müssen lückenlos aufklären, wie es dazu kommen konnte, dass ein eindeutig antisemitisches Bild überhaupt aufgehängt wurde", heißt es in dem Papier. "Zudem müssen sie sicherstellen, dass keine weiteren antisemitischen Werke auf der documenta ausgestellt werden."

Der Rückzug des Bunds aus dem Aufsichtsrat 2018 bei gleichzeitigem Festhalten an der Bundesförderung wird als schwerer Fehler bezeichnet. Das soll sich wieder ändern. "Eine finanzielle Förderung des Bunds soll deshalb zukünftig mit einer unmittelbaren Einbindung in die Strukturen der documenta zwingend verbunden werden."

"Das ist die unverrückbare Grenze"

"Die Verantwortlichkeiten zwischen vor allem der Geschäftsführung sowie den Kuratorinnen und Kuratoren sowie auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden und den Gremien müssen klar geklärt und es müssen daraus Konsequenzen gezogen werden", heißt es. Konkrete Rücktrittsforderungen werden nicht gestellt.

Die zunächst verhüllte und dann abgebaute mehrere Meter hohe Bannerinstallation People's Justice stammt vom indonesischen Künstlerkollektiv Taring Padi. Das Werk zeigte unter anderem einen mit Davidstern dargestellten Soldaten mit Schweinsgesicht, der einen Helm mit der Aufschrift "Mossad" trägt – dem Namen des israelischen Auslandsgeheimdiensts. 

Die Grünenpolitikerin wird in dem Fünfpunkteplan zitiert: "Von Beginn der Diskussion an habe ich immer sehr deutlich gemacht, dass es bei der documenta keinen Antisemitismus wie auch keinen Rassismus und keine Formen der Menschenfeindlichkeit geben darf." Gleichzeitig betonte Roth, "die Kunstfreiheit ist ein hohes Gut unserer demokratischen Gesellschaft, das ich immer verteidigen werde". Es gebe aber keine Kunstfreiheit ohne den Schutz der Menschenwürde. "Das ist die unverrückbare Grenze."

Eine grundlegende Strukturreform der documenta sieht Roth als Voraussetzung für künftige Bundesförderung. Sie werde den bisherigen Gesellschaftern von Land Hessen und Stadt Kassel vorschlagen, sich auf eine andere Struktur zu verständigen.