Normalerweise treffen sich Geheimdienstchefs mit Geheimdienstchefs (oder -chefinnen), so sieht es das ungeschriebene Protokoll der Diplomatie vor. Aber was ist in diesen Tagen schon normal, wo Europa an der Schwelle eines Krieges zu stehen scheint?

Als der CIA-Chef William Burns am Donnerstag vergangener Woche zu einem eintägigen Geheimbesuch in Berlin eintraf, fuhr er direkt ins Kanzleramt – zu einem Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), bei dem außer den beiden nur Scholz' Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt zugegen war. Anschließend traf Burns mit einer Gruppe deutscher Spitzenbeamter zusammen, darunter der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) Bruno Kahl, Scholz' außenpolitischer Berater Jens Plötner sowie ein Gruppenleiter aus der Geheimdienstabteilung des Kanzleramtes. Eher am Rande fand zudem ein Vieraugengespräch zwischen Burns und Kahl statt. Eine Sprecherin der CIA wollte sich zu Burns' Besuch gegenüber der ZEIT nicht äußern.