Eine andere Frage gibt Merkel die Gelegenheit, fast so etwas wie ein politisches Vermächtnis zu formulieren. Ob sie die westlichen Demokratien in Gefahr sehe, will ein Journalist von ihr wissen, und was man dagegen tun könne. Man müsse, antwortet Merkel, sich immer bemühen, die Gesprächsbereitschaft zu erhalten. Und dazu bedürfe es einer gewissen Gesprächskultur. "Wenn die politische Auseinandersetzung in persönlicher Herabwürdigung endet, endet die Möglichkeit, Brücken zu bauen", mahnt sie. Auch dürfe nie die Kompromissfähigkeit verloren gehen. In Kompromissen mag Merkel, die in den zwölf Jahren, in denen sie einer großen Koalition vorstand, auch zum Leidwesen der eigenen Partei so viele davon schließen musste, nichts Schlechtes erkennen. Diese seien vielmehr konstitutiv für eine funktionierende Demokratie.