Deutschland hat zwei ehemalige Häftlinge des umstrittenen US-Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba aufgenommen. Die beiden Männer trafen am Donnerstag in Hamburg und Rheinland-Pfalz ein, wie Sprecher der Innenbehörden mitteilten. Es handelt sich um einen Syrer und um einen staatenlosen Palästinenser. Der 34-jährige Ayman Mohammad Ahmad S. wird zunächst in einem Hamburger Krankenhaus auf seinen Gesundheitszustand untersucht.

Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU) hatte bereits zuvor gesagt,die Stadt sei auf die Aufnahme des 34-Jährigen gut vorbereitet. Es gebe ein behördenübergreifendes Konzept, das eine Rundumbetreuung des Mannes vorsehe. "Unser Ehrgeiz ist es, ihn in Hamburg zu integrieren", sagte Vahldieck.

Der Senator geht davon aus, dass der Ex-Häftling keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit mehr darstellt. Nach Angaben des Senators war der im Dezember 1975 im saudiarabischen Djidda geborene Mann im Sommer 2001 in Richtung Afghanistan gereist, um in den "Heiligen Krieg" zu ziehen. Er wurde gefasst und im Januar 2002 in das US-Gefangenenlager auf Kuba gebracht.

Der Mann habe selbst den Wunsch geäußert, in Deutschland aufgenommen zu werden, und wolle hier eine Familie gründen. Dem Ex-Gefangenen wird einem Sprecher der Innenbehörde zufolge ein Sozialarbeiter als Betreuer zur Seite gestellt. Dieser sei selbst Migrant, lebe seit gut 30 Jahren in Deutschland und spreche arabisch. Nach Angaben der Innenbehörde wurde dem 34-Jährigen die Auflage erteilt, seinen Wohnsitz in Hamburg zu nehmen und sich im Stadtgebiet aufzuhalten. Er werde aber "nicht von der Polizei bewacht", sagte der Sprecher

Vahldieck hatte zudem an die Medien appelliert, die Integrationschancen für den 34-Jährigen nicht durch intensive Berichterstattung zu mindern. Fotos etwa vom Gesicht des Mannes, unter Umständen noch vor seiner Wohnung, würden die Bemühungen der Behörden um eine Eingliederung in die Gesellschaft erschweren.

Aus Rheinland-Pfalz gab es zunächst keine näheren Angaben. "Der Syrer ist jetzt an uns übergeben worden", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) hatte zuvor erklärt, dass das Land auch bereit sei, die Frau und das Kind des Ex- Häftlings aufzunehmen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte im Juli nach eingehender Prüfung erklärt, von den beiden Männern gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Gefahr aus. Die Entscheidung zur Aufnahme hatte er damit begründet, dass die Bundesregierung das Lager stets kritisiert habe und deswegen eine Verantwortung habe, bei der Auflösung zu helfen. Am Donnerstag betonte de Maizère nun, dass Deutschland keine weiteren Ex-Häftlinge aufnehmen werde. Mit der Aufnahme von insgesamt drei Betroffenen habe Deutschland seinen humanitären Beitrag zur Schließung des Lagers geleistet.

In dem umstrittenen US-Lager auf Kuba werden seit 2002 vor allem mutmaßliche Taliban oder Al-Kaida-Mitglieder ohne Anklage und ohne Zugang zu Anwälten festgehalten. Bereits 2006 war der aus Bremen stammende Deutsch-Türke Murat Kurnaz nach viereinhalb Jahren Haft in Guantánamo in Deutschland aufgenommen worden. Die beiden jetzt Aufgenommenen haben dagegen keinen Bezug zu Deutschland.