CDU-Kreise erwarten, dass Hamburgs Regierungschef Ole von Beust am Sonntag zurücktreten wird . Bekanntmachen wolle der Bürgermeister dies angeblich am Sonntagnachmittag bei einer Sitzung des CDU-Landesvorstandes. Die Sitzung ist wenige Stunden vor Bekanntwerden der Ergebnisse eines Volksentscheids angesetzt, mit dem eine Bürgerinitiative eine umstrittene Bildungsreform in der Hansestadt kippen will. Beust hatte sich für diese Reform eingesetzt, die mit dem Koalitionspartner GAL vereinbart worden war.

Genaue Gründe wurden nicht bekannt. Aus der CDU-Zentrale hieß es nur, die Sitzung stehe im Zusammenhang mit dem Volksentscheid zur Schulreform.

Mehrere Medien hatten bereits in ihren Samstagsausgaben vom Rücktritt des CDU-Politikers berichtet. Die Gründe seien "privater Natur", hieß es beispielsweise im Hamburger Abendblatt . In den Medien wird seit Monaten darüber spekuliert, dass Beust amtsmüde sei.

Laut Bild -Zeitung soll der Rücktritt zum 25. August erfolgen. Den Medienberichten zufolge gilt Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (40) als möglicher Nachfolger.

Für die CDU wäre von Beust der sechste Ministerpräsident, der innerhalb eines Jahres sein Amt aufgibt. Mit Ole von Beust würde Kanzlerin Angela Merkel eine wichtige Bastion im Norden verlieren.

Vor Beust musste die CDU-Chefin bereits auf Thüringens Landeschef Dieter Althaus verzichten, der im September des Vorjahres zurücktrat. Danach verlor sie Günther Oettinger (Baden- Württemberg), Hessens Roland Koch, Christian Wulff (Niedersachsen) und den vor wenigen Tagen in Düsseldorf abgewählten Jürgen Rüttgers.

Beust regiert seit neun Jahren an der Alster. Der liberale CDU-Mann war in seiner Heimat überaus populär, sorgte Ende 2003 mit dem Hinauswurf seines damaligen Innensenators Ronald Schill, der ihn unter anderem wegen seiner Homosexualität erpressen wollte, für Schlagzeilen. In den vergangenen Jahren wurde die Regierung Beust zunehmend von Problemen verfolgt, unter anderem wegen der explodierenden Kosten für die Elbphilharmonie und wegen zunehmender Gewalttaten in Hamburg.