Ein Parlamentarier der britischen konservativen Regierungspartei, auch Tories genannt, ist wegen Vorwürfen der sexuellen Gewalt in Gewahrsam genommen worden. Wie die Londoner Polizei mitteilte, würden dem Verdächtigen zwischen 2002 und 2009 mehrere Taten zur Last gelegt, darunter sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.

Eine Parteisprecherin bestätigte den Fall und sagte, der betroffene Abgeordnete sei vom Tory-Fraktionschef angewiesen worden, das Grundstück des Parlaments für die Dauer der Ermittlungen nicht zu betreten. Aus der Partei wird der Beschuldigte demnach zunächst nicht ausgeschlossen. Am Nachmittag wurde bekannt, dass der Mann inzwischen auf Kaution freigelassen wurde.

Weder die Polizei noch die Parteisprecherin nannten den Namen des Verdächtigen. Er soll laut Polizei zwischen 50 und 60 Jahren alt sein. Der Polizei zufolge wird gegen den Betroffenen auch wegen des möglichen Missbrauchs seiner Machtposition ermittelt. Nach Angaben des Guardian sollen die Ermittlungen gegen den Abgeordneten bereits seit zwei Jahren andauern.

Fälle von sexuellem Fehlverhalten häufen sich

In jüngster Zeit hatten sich derartige Vorwürfe in Großbritannien gehäuft. Die parlamentseigene Beschwerdestelle geht derzeit gegen mindestens 56 Abgeordnete wegen des Verdachts auf sexuelles Fehlverhalten vor, darunter drei Minister.

Im vergangenen Monat trat der konservative Abgeordnete Neil Parish zurück, nachdem er zugegeben hatte, dass er im Abgeordnetensaal auf seinem Handy Pornos geschaut hatte. Zudem trat der ebenfalls konservative Abgeordnete Imran Ahmad Khan wegen Vorwürfen der sexuellen Gewalt zurück. Der 48-Jährige wurde von einer Jury schuldig gesprochen, im Jahr 2008 einen damals 15-jährigen Jungen während einer Party zum Alkoholkonsum gezwungen und danach in sexueller Weise berührt zu haben. Die Tories schlossen ihn umgehend aus der Partei aus.

Die Partei will aus den Vorfällen offenbar Konsequenzen ziehen: Der Fraktionsvorsitzende Mark Spencer sagte dem Guardian, dass seine Partei bei den nächsten Unterhauswahlen geeignetere Kandidaten auswählen wolle. Ihm zufolge hätten auch die vorgezogenen Wahlen 2017 und 2019 zu den jetzigen Skandalen geführt.