Die sozialdemokratische Partei der finnischen Regierungschefin Sanna Marin hat sich für einen Nato-Beitritt des Landes ausgesprochen. Die finnische Staatsführung hatte am Donnerstag verkündet, dass sie die Mitgliedschaft in der Nato anstrebt. Präsident Sauli Niinistö und Marin waren sich bereits einig, einen Anschluss an die Militärallianz zu erwirken, zum tatsächlichen Beitritt ist allerdings auch eine Billigung des Parlaments nötig. Mit der Zustimmung durch die Sozialdemokraten ist nun auch dort eine breite Mehrheit zusammengekommen und eine weitere Hürde in Richtung Nato genommen. Bei der ersten Verkündung und bei einer Ansprache vor finnischen Delegierten teilte Marin mit, Russland habe gezeigt, dass es internationale Vereinbarungen nicht respektiere und es deshalb Zeit sei, der Nato beizutreten. 

In einem Telefonat mit dem finnischen Präsidenten Niinistö hatte der russische Präsident Wladimir Putin die angedachte Aufnahme Finnlands in den Nordatlantikpakt als "Fehler" bezeichnet. Nach Kremlangaben sagte Putin, dass von Russland keine Bedrohung für den direkten Nachbarn ausgehe, mit dem man sich eine 1.300 Kilometer lange Grenze teilt. Stattdessen würde Finnlands Abkehr von der traditionellen Neutralität zu einer Verschlechterung der bislang guten nachbarschaftlichen Beziehungen führen.

Erdoğan nennt Schweden und Finnland "Gasthäuser für Terrororganisationen"

Neben Finnland gedenkt auch Schweden, sich der Nato anzuschließen. Beide Länder hatten sich jahrzehntelang zu militärischer Bündnisneutralität verpflichtet. Am Freitag kommentierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan diesen tiefgreifenden Richtungswechsel mit den Worten, dass man die Entwicklungen beobachte, "aber keine positive Meinung dazu" habe.  

Skandinavische Länder seien geradezu "Gasthäuser für Terrororganisationen". Erdoğan wirft insbesondere Schweden, aber auch anderen skandinavischen Ländern immer wieder vor, nicht entschieden genug gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK oder die Gülen-Bewegung vorzugehen. Die türkische Führung macht die nach Fethullah Gülen benannte Gruppierung für den Putschversuch von 2016 verantwortlich. Da in der Nato das Konsensprinzip angewandt wird, könnte die Türkei somit auch einen Beitritt der beiden Länder blockieren. 

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock zeigte sich beim Treffen der G7-Außenminister im schleswig-holsteinischen Weißenhaus irritiert über die Aussagen der Türkei. Eigentlich sollte jedes demokratische Land darüber erfreut sein, dass Demokratien mit starken Verteidigungsfähigkeiten das gemeinsame Bündnis stärker machen würden, sagte die Grünenpolitikerin. Sie würde den Beitritt "sehr, sehr unterstützen". Zudem sagte sie, dass nicht die Nato Finnland und Schweden zum Anschluss an das Bündnis dränge, sondern das Agieren Putins verantwortlich sei. Die beiden Länder seien gefestigte Demokratien, die seit Jahrzehnten mit all ihren Nachbarn in Frieden lebten.