Die Polizei in London hat die Ermittlungen zu Partys am britischen Regierungssitz während verschiedener Corona-Lockdowns abgeschlossen. Insgesamt seien dabei 126 Strafbefehle verhängt worden, teilte die Metropolitan Police mit. Premierminister Boris Johnson habe keine weiteren Strafbefehle erhalten, sagte ein Regierungssprecher. Johnson und Finanzminister Rishi Sunak waren zuvor für die Teilnahme an einer Geburtstagsfeier für Johnson mit einer Geldstrafe belegt worden.

"Unsere Ermittlungen waren gründlich und unabhängig", sagte die stellvertretende Polizeichefin von London, Helen Ball. Die ausgestellten Strafmandate beträfen Partys und Veranstaltungen im Regierungssitz Downing Street und anderen Regierungsgebäuden zwischen Mai 2020 und April 2021. Zu dieser Zeit waren Corona-Beschränkungen in Kraft, um die Virusausbreitung einzudämmen.

Scotland Yard stellte bei acht Zusammenkünften in den Jahren 2020 und 2021 Verstöße fest. 73 Frauen und 53 Männer hätten dafür Strafbefehle erhalten, teilte die Polizei mit, manche von ihnen mehrfach.

Für Johnson ist die Affäre damit aber noch nicht ausgestanden. Der Premierminister muss sich derzeit wegen mutmaßlicher Lügen im Parlament im Zusammenhang mit der Affäre um illegale Lockdown-Partys auch einer Untersuchung durch einen Parlamentsausschuss stellen.

"Partygate"-Sonderbericht erwartet

Die Regierungsspitzenbeamtin Sue Gray soll in den kommenden Wochen einen bisher nur in Auszügen bekannten Sonderbericht zu den Vorfällen in voller Länge veröffentlichen. Gray hatte nach Beginn des polizeilichen Verfahrens zunächst nur eine stark gekürzte Version öffentlich gemacht. Schon darin war bereits von schwerem Fehlverhalten und Führungsversagen die Rede. Die "Partygate"-Affäre hatte Premier Johnson schwer unter Druck gesetzt, auch aus seiner Konservativen Partei wurden Rücktrittsforderungen laut.

Auch gegen Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei wird derzeit polizeilich wegen eines möglichen Lockdown-Verstoßes ermittelt. Er kündigte bereits an, sein Amt niederzulegen, sollte er einen Strafbefehl erhalten.