Die kolumbianische Politikerin Íngrid Betancourt kandidiert zwanzig Jahre nach ihrer Entführung durch Farc-Rebellen erneut für das Präsidialamt in Kolumbien. Die 60-Jährige schrieb sich am Donnerstag offiziell als Kandidatin der Grünen Partei für die Wahl am 29. Mai ein. Während ihrer ersten Kandidatur 2002 wurde Betancourt entführt und befand sich sechs Jahre in der Gewalt der linksgerichteten Rebellen, bevor die Streitkräfte sie befreiten. José Luis Esparza, der mit ihr für das Amt des Vizepräsidenten kandidiert, war maßgeblich an der Befreiung im Jahr 2008 beteiligt. 

"Ich habe in diesem Wahlkampf immer wieder gesagt, dass alle Kolumbianer von einem korrupten System als Geiseln genommen wurden", sagte Betancourt, die auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, nach ihrer Einschreibung als Kandidatin. "Alle Kolumbianer haben es verdient, von ihren Entführern befreit und für ihr Leid entschädigt zu werden."

Während des jahrzehntelangen bewaffneten Konflikts zwischen Regierung, linken Guerillas und rechten Paramilitärs in dem südamerikanischen Land verschleppten die Farc-Rebellen Tausende Menschen. Über 500 Menschen starben nach Angaben der kolumbianischen Generalstaatsanwaltschaft in der Geiselhaft der Rebellen.

Die Farc und die kolumbianische Regierung legten den Bürgerkrieg mit rund 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen 2016 durch einen Friedensvertrag bei. In dem Vertrag wurden auch eine besondere Gerichtsbarkeit und eine Wahrheitskommission vereinbart, mit denen die im Bürgerkrieg verübten Verbrechen aufgearbeitet werden sollen. Seitdem ist die Gewalt in dem Land zwar teilweise zurückgegangen, allerdings nahm die Rodung des Regenwaldes stark zu. 

Derzeit bekleidet der rechtskonservative Politiker Iván Duque das höchste kolumbianische Staatsamt. Seit vergangenem April gab es immer wieder Demonstrationen in dem Land, bei denen Einsatzkräfte teils brutal gegen Teilnehmende vorgingen. Auslöser war eine geplante Steuerreform, später richtete sich der Protest aber gegen die gesamte Regierung.