Das Linksbündnis Historischer Pakt des Oppositionspolitikers Gustavo Petro hat die Parlamentswahlen in Kolumbien gewonnen. Das Bündnis konnte seinen Stimmenanteil nach fast vollständig ausgezählten Stimmen verdreifachen und gewann 17 der 102 Sitze im Senat sowie 25 von 165 Sitzen im Unterhaus. Gleichzeitig konnte sich der ehemalige Guerilla-Kämpfer bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahl am 29. Mai klar durchsetzen.

Im Senat konnte das Bündnis mit den Konservativen gleichziehen. Dahinter folgen die Liberalen mit 15 Sitzen. In der Abgeordnetenkammer wurden die Liberalen mit 32 Sitzen stärkste Kraft. Die Partei des amtierenden Präsidenten Iván Duque stürzte von zuvor 51 auf nun 30 Sitze ab. Die Konservativen erhielten wie Petros Bündnis 25 Mandate. Da Petro mit der Unterstützung der Comunes rechnen kann – der Partei, die aus der Auflösung der Farc-Rebellengruppe hervorgegangen ist – wird seine Bewegung wohl stärkste Kraft im kolumbianischen Kongress. 

Der 61-Jährige ist Umfragen zufolge auch der Favorit bei den Präsidentschaftswahlen. Er wird gegen Federico Gutiérrez antreten, der die Vorwahlen bei den Konservativen gewann, sowie Sergio Fajardo, der für die Kräfte der Mitte antreten wird. Daneben ergänzen Óscar Iván Zuluaga für die Regierungspartei Demokratisches Zentrum, der unabhängige Kandidat Rodolfo Hernández, sowie die ehemalige Farc-Geisel Íngrid Betancourt das Kandidatenfeld für die Nachfolge des zuletzt unbeliebten Iván Duque.

Zwei Tote bei Anschlägen

Petro, der bis 1990 Mitglied einer linken Rebellengruppe war, danach Bürgermeister in der Hauptstadt Bogotá wurde und schließlich in den Senat einzog, hatte 2018 noch in der Stichwahl gegen Duque verloren. Seitdem ist das Land wegen der Corona-Pandemie allerdings in eine schwere wirtschaftliche Krise geraten und die Gewalt hat nach dem Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen wieder deutlich zugenommen. Petro verspricht, sich von den traditionellen Eliten des Landes zu distanzieren und den Schwerpunkt auf den Umweltschutz und Reformen zu legen.

Während der Parlamentswahl wurden bei Bombenanschlägen mindestens zwei Soldaten getötet. Zwei weitere Soldaten, die im Einsatz waren, um Wählerinnen und Kandidaten zu schützen, wurden bei den Explosionen in den Departements Caquetá und Meta verletzt. Wer hinter den Anschlägen steckt, war noch nicht bekannt.     

Nachdem die größte Guerillaorganisation Farc 2016 mit der kolumbianischen Regierung ein Friedensabkommen unterzeichnet und im jahrzehntelangen Bürgerkrieg offiziell die Waffen niedergelegt hatte, hat sich die Sicherheitslage in dem südamerikanischen Land verbessert. Allerdings werden immer noch große Teile des Landes von kriminellen Gruppen kontrolliert. Nach Angaben des Indepaz-Instituts für Entwicklung und Frieden wurden im vergangenen Jahr 152 soziale Anführer und Menschenrechtsaktivisten in Kolumbien getötet.