Wenn Wladimir Putin in diesen Tagen in seinen berühmten Mäppchen liest, die Lageberichte, die seine Dienste zusammenstellen, könnte er eigentlich zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken. Die Staatsfinanzen sind stabil, die Corona-Zahlen entwickeln sich wieder rückläufig und von politischen Protesten ist weit und breit keine Spur, seit sein bekanntester Widersacher Alexey Nawalny im Gefängnis sitzt.

Gleichwohl wirkt der Mann im Kreml wie ein Getriebener. Als würde eine Aufnahme der Ukraine in die Nato unmittelbar bevorstehen, pocht Putin auf dringende Verhandlungen mit den USA und ihren Alliierten. Parallel dazu lässt der Kreml nur halbherzig Berichte über einen russischen Aufmarsch an der Grenze zur Ukraine dementierten. Mehr noch: Auf die Frage von Journalisten nach möglichen Angriffsplänen gegen die Ukraine antwortete Putin gleich zu mehreren Gelegenheiten nicht etwa mit einem klaren Nein, sondern lamentierte darüber, dass sein Land friedvoll sei, jedoch das Recht habe, eigene Sicherheitsinteressen zu schützen.