In Myanmar hat die Justiz Anklage in fünf weiteren Punkten wegen angeblicher Korruption gegen die bei einem Militärputsch entmachtete Regierungschefin Aung San Suu Kyi erhoben. Das berichteten mehrere Medien unter Berufung auf mit dem Gerichtsverfahren vertraute Quellen. Insgesamt sieht sich die 76-Jährige damit nun noch mit elf Anklagepunkten konfrontiert. Bei zehn davon geht es um Verstöße gegen ein Antikorruptionsgesetz. Den Angaben zufolge drohen ihr deswegen bis zu 160 Jahre Haft.

Erst zu Wochenbeginn wurde die Friedensnobelpreisträgerin vom Gericht wegen des Imports eines Funkgerätes und eines Verstoßes gegen Corona-Bestimmungen zu vier Jahren Haft verurteilt. Zuvor war sie Anfang Dezember schon in zwei anderen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zunächst ebenfalls zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Wenige Stunden später gab die Militärjunta aber bekannt, das Strafmaß auf zwei Jahre zu verkürzen.

Da der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, ist Suu Kyis Reaktion auf die Urteile nicht bekannt. Es ist auch unklar, ob sie tatsächlich eine Haftstrafe antreten muss oder im Hausarrest bleiben wird. Suu Kyi wurde nach dem Militärputsch in dem südostasiatischen Land Anfang Februar festgenommen.

Beobachter und Menschenrechtsexperten sprechen von einem Schauprozess gegen sie und vermuten, dass die Junta die Politikerin auf diese Weise langfristig zum Schweigen bringen will. Das Verfahren begann Mitte Juni in der Hauptstadt Naypyidaw.

Seit dem Umsturz erlebt Myanmar Chaos und Gewalt. Das Militär unterdrückt jeden Widerstand mit brutaler Härte.