Die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) hat die Taliban-Regierung aufgefordert, über den Verbleib von zwei Frauenrechtsaktivistinnen aufzuklären. "Wir drängen die Taliban, Informationen über ihren Aufenthaltsort vorzulegen und die Rechte aller Afghanen zu schützen", teilte Unama auf Twitter mit. Am vergangenen Mittwoch waren Tamana Sarjab Parjani und Parawana Ibrahimchel in Kabul verschwunden.

Parjani konnte vor ihrem Verschwinden ein Video veröffentlichen, in dem sie sagte, Taliban-Leute stünden vor ihrer Tür. Augenzeugen zufolge wurden sie und ihre drei Schwestern von mutmaßlichen Taliban-Geheimdienstlern abgeführt. Die radikalislamischen Taliban selbst wiesen die Vorwürfe zurück. Gemeinsam mit rund 25 anderen Aktivistinnen hatte Parjani am vergangenen Wochenende gegen die Kopftuchpflicht unter der Taliban-Regierung demonstriert. 

Derweil haben in Oslo an diesem Sonntag dreitägige Gespräche mit einer offiziellen Delegation der Taliban über humanitäre Hilfen begonnen. Zum Auftakt kommt die von Außenminister Amir Chan Muttaki geführte Gruppe mit Vertretern der afghanischen Zivilgesellschaft zusammen, wie die norwegische Regierung mitteilte. Im Laufe des Tages soll die Delegation unter anderem mit afghanischen Frauenrechtlerinnen und Journalisten sprechen. Die Treffen finden hinter verschlossenen Türen statt.

Am Montag und Dienstag stehen dann Treffen mit westlichen Diplomaten auf dem Programm. Nach Angaben des norwegischen Außenministeriums nehmen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und weiteren westlichen Staaten teil. Es sind die ersten offiziellen Gespräche mit der Taliban-Regierung mit westlichen Vertretern in der EU. Im Mittelpunkt  stehen die Menschenrechtslage sowie die humanitäre Krise in Afghanistan.

Gespräche "keine Legitimation" der Taliban-Regierung

Seit der Machtübernahme der Taliban im August nach 20 Jahren Kampf gegen die von den USA und Nato-Truppen gestützte Regierung hat sich die humanitäre Notlage in Afghanistan massiv zugespitzt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in dem Land Millionen Menschen von Hunger bedroht. Angesichts der Krise hatte der UN-Sicherheitsrat im Dezember einstimmig die Ermöglichung humanitärer Hilfen für Afghanistan beschlossen. Allerdings soll die Hilfe nicht direkt in die Hände der Islamisten geraten. Bisher hat kein Land die Taliban-Regierung offiziell anerkannt.

Die Taliban selbst erhoffen sich von dem Treffen eine verbesserte Beziehung zu westlichen Staaten. "Wir hoffen, dass wir unsere Beziehungen zu allen Staaten durch Diplomatie stärken können, auch jene zu europäischen Ländern und dem Westen generell", sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid der Nachrichtenagentur AFP. Norwegens Außenministerin Anniken Huitfeldt sagte, die Gespräche bedeuteten "keine Legitimation oder Anerkennung der Taliban". "Aber wir müssen mit den Behörden sprechen, die de facto das Land regieren. Wir dürfen nicht zulassen, dass die politische Situation in eine noch schlimmere humanitäre Katastrophe mündet."

Grünenaußenpolitiker Omid Nouripour sprach sich dafür aus, Verbindungen nach Afghanistan nicht abzubrechen. "In Afghanistan haben wir im vergangenen Jahr gesehen, wo wir als Europäer keinen Wirkungsgrad mehr haben", sagte der Grünenpolitiker. China, Russland und die Türkei hätten ihre Botschaft in Kabul nicht geschlossen – "das sind die Staaten, über die man gehen muss, wenn man mit den Taliban zu irgendeinem Ergebnis kommen will, und sei es, dass man deutsche Staatsbürger aus dem Land herausholt". Besonders bei Notfällen müsse man diese Drähte nutzen.

Die deutsche Botschaft in Kabul wurde im August geschlossen, als die Taliban nach der Machtübernahme in mehreren Provinzen in kurzer Zeit die Hauptstadt erreichten. Die islamistische Regierung in Afghanistan wird bislang von keinem Staat der Welt anerkannt. Allerdings sollen nun internationale humanitäre Hilfeleistungen in das Land gebracht werden. Nach Angaben der UN sind in Afghanistan 4,7 Millionen Menschen von Unterernährung bedroht.