Im Streit um die Fischereirechte zwischen Großbritannien und Frankreich hat es eine erste Entscheidung gegeben: Das Vereinigte Königreich erteilte französischen Fischern im Ärmelkanal 23 zusätzliche Lizenzen. Nachdem die EU-Kommission "weitere Nachweise" erbracht habe, habe Großbritannien 18 Lizenzen ausgestellt, teilte ein britischer Regierungssprecher mit. Die Kanalinsel Jersey habe ihrerseits fünf Lizenzen erteilt. Damit blieb Großbritannien jedoch hinter den geforderten 104 Genehmigungen für französische Fischerboote zurück.

Am Freitag war eine Frist abgelaufen: Die EU-Kommission, die in dem Streit vermittelt, hatte von Großbritannien gefordert, die Differenzen mit Frankreich bis zum 10. Dezember beizulegen. Beide Länder streiten seit Monaten über die Fischereirechte im Ärmelkanal. Im Abkommen über den britischen EU-Austritt hatte London im Dezember vergangenen Jahres zugesichert, dass französische und andere EU-Fischer weiter in britischen Gewässern fischen dürfen, wenn sie schon vor dem Brexit dort gefischt hatten. Allerdings gibt es Probleme, dies nachzuweisen.

Die EU-Kommission sprach am Samstag von einem "wichtigen Schritt" in einem langen Prozess zur Umsetzung des zwischen Brüssel und dem Königreich nach dessen Austritt aus der EU geschlossenen Handels- und Kooperationsabkommens (TCA). In intensivierten Gesprächen seien insgesamt 83 zusätzliche Fischereigenehmigungen hinzugekommen.

Regierung setzt sich für weitere Lizenzen ein

Frankreich hatte am Freitag mitgeteilt, es fehlten noch 104 Lizenzen für französische Boote. Britischen Angaben zufolge sind viele französische Fischer nicht in der Lage, die dafür erforderlichen Papiere vorzulegen. Die französische Regierung kündigte an, sich nun gemeinsam mit der EU-Kommission weiter dafür einzusetzen, dass nun auch die 81 übrigen Lizenzen vergeben würden. Paris und Brüssel würden "Beweise vorlegen, die die Briten in den nächsten Wochen analysieren werden", teilten Meeresministerin Annick Girardin und Europastaatssekretär Clément Beaune in einer gemeinsamen Erklärung mit. Insgesamt hat Frankreich bislang 1.027 Fischereilizenzen von Großbritannien erhalten.

Die französischen Fischer äußerten sich angesichts der noch ausstehenden Lizenzen unzufrieden. Der nationale Fischereiverband berichtete von Enttäuschung und Wut unter seinen Mitgliedern. Die Fischer fühlten sich von der EU-Kommission "im Stich gelassen", teilte der regionale Fischereiverband der Region Hauts-de-France mit und drohte Aktionen gegen britische Importe an. Ende November hatten die französischen Fischer bereits den Güterverkehr durch den Eurotunnel nach Großbritannien blockiert und Fähren am Anlegen in den Häfen Calais, Saint-Malo und Ouistreham am Ärmelkanal gehindert.