Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Chef des nationalen Strafvollzugs entlassen. Der bisherige Direktor Alexander Kalaschnikow sei von seinem Posten entbunden worden, teilte der Kreml mit. Zum Nachfolger wurde Arkadi Gostew ernannt. Zuvor hatten Aktivisten Videos von Folter, Vergewaltigungen und Misshandlungen in russischen Gefängnissen veröffentlicht. Der Schritt Putins kommt überraschend und gilt als Bestätigung für die Echtheit der Aufnahmen.

Die Foltervideos aus einem Gefängniskrankenhaus in der Stadt Saratow und anderen Regionen hatten Entsetzen und Ermittlungen ausgelöst. Kalaschnikow hat zwar den Leiter des Gefängniskrankenhauses in Saratow sowie weitere Bedienstete wegen der Folterung von Gefangenen entlassen. Auch wurden mehrere Strafverfahren eingeleitet. Aktivistinnen und Aktivisten fordern aber eine grundsätzliche Erneuerung des Systems.

Die Filmaufnahmen hat der Gründer der Menschenrechtsinitiative Gulagu.net, Wladimir Ossetschkin, veröffentlicht. Der frühere Gefangene Sergej Saweljew hatte sie in Saratow aus dem Gefängnis geschmuggelt. Beide Männer sind nach Frankreich geflohen.

Die Aktivisten sprechen von einem "systematischen Charakter von Folter" in Russland. Ossetschkin hat Putin in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Er äußerte die Vermutung, dass die Videos im Auftrag des Inlandsgeheimdienstes FSB und des Strafvollzugs angefertigt wurden, um Gefangene erpressbar zu machen. Es gebe auch Feinde der Inhaftierten, die gegen viel Geld die Folter bestellten und sich dafür Videobeweise liefern ließen.