Vor rund drei Monaten übernahmen die radikalislamischen Taliban in Afghanistan die Macht. Noch immer sitzen dort Tausende Ortskräfte der Bundesregierung fest, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervorgeht.

Demnach befinden sich noch 2.400 aktive und ehemalige Ortskräfte von Institutionen der bilateralen deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan. Hinzu kommen bis zu 645 Afghanen, die für die Bundeswehr tätig waren. Rund 745 frühere Ortskräfte des Bundesaußenministeriums befinden sich laut den Angaben in Afghanistan oder in benachbarten Ländern, 23 frühere Helfer des Bundesinnenministeriums sitzen in Afghanistan fest. Drei aktive Ortskräfte halten sich noch in Kabul auf.

Beim Rückzug der USA, der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen aus Afghanistan sind Tausende einheimische Hilfskräfte zurückgelassen worden. Die Bundesregierung sagt, sie bemühe sich um ihre Ausreise. Viele ehemalige Ortskräfte müssen Racheakte der Taliban befürchten. Die Linke kritisierte, dass die Bundesregierung die Ortskräfte trotz zugesagter Evakuierung weiterhin im Stich lasse.

Evakuierungen laufen langsam

Nach Angaben des deutschen Innenministeriums wurden seit dem Ende der Evakuierungsmission der Bundeswehr Ende August bis zum 7. November 456 Ortskräfte aus Afghanistan nach Deutschland gebracht. Das Auswärtige Amt organisierte seitdem zwei Charterflüge aus Kabul: Am 10. November wurden nach Angaben des Ministeriums 329 deutsche Staatsbürger sowie einheimische Ortskräfte mit ihren Familien aus Kabul ausgeflogen. An Bord eines zweiten Charterflugs wurden am Mittwoch 345 Menschen außer Landes gebracht.

Nach Angaben der Bundesregierung stellten die deutschen Visastellen in der Region seit dem Ende der militärischen Evakuierungsaktion etwa 3.600 Visa für Ortskräfte und besonders gefährdete Personen aus.

Unter der voraussichtlichen nächsten Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP sollen mehr Flüchtlinge ihre Angehörigen zu sich nach Deutschland holen können. Die Ampel-Koalition will außerdem mehr legale Fluchtmöglichkeiten nach Deutschland schaffen. Über ein humanitäres Aufnahmeprogramm des Bundes soll beispielsweise insbesondere Menschen aus Afghanistan geholfen werden.

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