Im Atomstreit mit dem Iran haben die USA und Israel erneut mit Konsequenzen gedroht, falls sich keine diplomatische Lösung zur Beendigung des iranischen Atomprogramms finde. Beide Staaten befürchten den Bau einer iranischen Atombombe. "Wir wissen, dass es Momente gibt, in denen Nationen Gewalt anwenden müssen, um die Welt vor dem Bösen zu schützen", sagte Israels Außenminister Jair Lapid bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Washington, D. C.

"Wenn ein Terrorregime im Begriff ist, sich eine Atomwaffe zu beschaffen, müssen wir handeln und deutlich machen, dass die zivilisierte Welt dies nicht zulassen wird." Israel behalte sich das Recht vor, zu jedem Zeitpunkt und auf jede Weise zu handeln. "Das ist nicht nur unser Recht", sagte Lapid über die Drohung, "es ist auch unsere Verantwortung."

US-Außenminister Antony Blinken unterstützte den Kurs Lapids. "Wir werden alle Optionen in Betracht ziehen", sagte er nach dem Treffen. Der beste Weg, eine iranische Atomwaffe zu verhindern, sei zwar immer noch eine diplomatische Lösung. Allerdings seien die USA bereit, sich anderen Möglichkeiten zuzuwenden. Blinken warf der iranischen Regierung mangelnde Dialogbereitschaft vor und warnte, die Zeit für eine Verhandlungslösung laufe aus.

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US-Sondergesandter spricht von möglichem Scheitern

Eine Rückkehr zum Atomabkommen von 2015, das eine Rücknahme westlicher Sanktionen gegen Verzicht auf ein militärisches Atomprogramm vorsah, gilt als ungewiss. Der US-Sondergesandte für den Iran, Rob Malley, warnte, es sei "gut möglich", dass ein Anknüpfen an das Abkommen nicht gelingt. Das mache Absprachen der USA mit den Partnern in der Region notwendig, um sich auf ein solches Szenario vorzubereiten, sagte Malley. 

US-Präsident Joe Biden hatte bereits im Sommer gesagt, die USA würden in den Beziehungen zum Iran zunächst auf Diplomatie setzen. Den Verweis auf "andere Optionen" hatte der iranische Sicherheitsrat anschließend als "illegale Drohung" ausgelegt und verurteilt. Israels Verteidigungsminister Benny Gantz teilte im August mit: "Es ist Zeit für diplomatische, wirtschaftliche und sogar militärische Taten." Noch im Mai hatte der damalige iranische Präsident Hassan Ruhani angekündigt, die Einigung stehe unmittelbar bevor.

Seitdem hat sich die Atmosphäre bei den Verhandlungen verschlechtert. Gespräche über eine Wiederbelebung des Atomabkommens hatten zwar im April in Wien begonnen. Sie waren jedoch von der iranischen Präsidentschaftswahl Mitte Juni und dem anschließenden Regierungswechsel unterbrochen worden. Seit der Wahl des ultrakonservativen Geistlichen Ebrahim Raisi zum neuen Präsidenten liegen die Gespräche auf Eis. Zuletzt bekräftigte er seine Forderung nach der Aufhebung aller Sanktionen.

Die USA waren 2018 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen. Auf die Wiedereinführung von Sanktionen reagierte der Iran mit einer Anreicherung von radioaktivem Material über festgeschriebene Grenzen hinaus. Biden fordert, dass der Iran wieder Vorgaben des Abkommens einhält, ehe die USA wieder beitreten.