Familie des Bremer Guantánamo-Häftlings möglicherweise von deutschen Behörden falsch informiert

Die Familie des Bremers Murat Kurnaz, 23, der seit vier Jahren in Guantánamo festgehalten wird, ist von deutschen Behörden möglicherweise falsch über das Schicksal des jungen Mannes informiert worden. Obwohl deutsche Behörden Kurnaz in Guantánamo verhörten, versicherten Außenminister Joschka Fischer und Beamte des Auswärtigen Amtes der Mutter des Häftlings bis zuletzt, die USA würden Deutschland leider keinen Zugang zu ihrem Sohn gewähren, wie die ZEIT berichtet. Die ZEIT erhielt Einblicke in die Korrespondenz, die der Anwalt der Familie Kurnaz, Bernhard Docke, in den Jahren 2002 bis 2004 mit Fischer und dem Außenministerium führte. Docke sagt der ZEIT: "Frau Kurnaz wartete jahrelang auf ein Lebenszeichen ihres Sohnes, und die Regierung war nicht bereit, auch nur verschlüsselt anzudeuten, dass deutsche Beamte Kurnaz persönlich besucht hatten." Man müsse nun fragen, welche Gegenleistung die USA für den deutschen Geheimbesuch in Guantánamo forderten. Docke will Indizien dafür haben, dass Akten "durch graue Kanäle über den großen Teich" gegangen sind. "Wir sind", sagt Anwalt Docke, "erst am Anfang der Aufklärung".

BKA schützte Mitte 2003 terrorverdächtigen Deutschen vor CIA

Die frühere Bundesregierung wusste bereits vor der Entführung von Khaled El- Masri, dass der amerikanische Geheimdienst CIA nicht davor zurückschreckte, auch deutsche Staatsbürger zu verschleppen. Im Sommer 2003 eskortierten Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) einen deutschen Terrorverdächtigen von Indonesien nach Frankfurt, um ihn vor dem Zugriff der CIA zu schützen. Das Bundeskanzleramt sei über die Operation laufend informiert gewesen, berichtet die ZEIT. Der ägyptischstämmige Deutsche Reda Seyam war Mitte September 2002 von der indonesischen Polizei festgenommen und offenbar bereits damals von CIA- Mitarbeitern verhört worden. Nach zehnmonatiger Haft in Jakarta holten ihn die BKA-Beamten aus dem Gefängnis ab und brachten ihn unter strengster Bewachung nach Deutschland. "Es gab Weisung aus Berlin, insbesondere darauf zu achten, dass Seyam nicht noch im Transitbereich des Flughafens Singapur weggeschnappt wird", sagt ein deutscher Sicherheitsbeamter, der mit dem Fall gut vertraut ist, der ZEIT. "Ob jemand Deutscher ist oder Souveränitätsrechte verletzt werden, interessiert die Amerikaner nicht", sagt er weiter. "Die sind wie losgelassene Hunde." In Jakarta habe ein CIA-Mann den Deutschen gesagt, "man wolle Seyam gern noch einmal haben", sagt ein eingeweihter deutscher Sicherheitsexperte gegenüber der ZEIT. Dies sei der Amtsleitung des BKA und der Sicherheitslage im Kanzleramt mitgeteilt worden. Zu dieser Runde zählte unter anderem der damalige Kanzleramtsminister und heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Reda Seyam lernte nach seiner Rückkehr in Neu-Ulm Khaled El-Masri kennen, der später selbst von der CIA entführt wurde. Gegen Seyam ermittelt inzwischen der Generalbundesanwalt wegen Terrorismusverdachts.

Zellforscherin Beisiegel fordert internationale Kontrollbehörde für wissenschaftliche Arbeiten

Einen "großen Rückschlag für die Stammzellforschung" befürchtet Ulrike Beisiegel, die Ombudsfrau der Deutschen Forschungsgemeinschaft, angesichts der Betrugsvorwürfe gegen den südkoreanischen Klonpionier Hwang Woo-Suk. Die Kritiker stünden dieser Art von Forschung "nun noch skeptischer" gegenüber, und zwar "sowohl wegen des ethischen Fehlverhaltens – der unzulässigen Eizellspende von Mitarbeiterinnen – als auch wegen der Fälschungsvorwürfe". Der aufsehenerregende Fall belege nicht nur die Gefahr für gefeierte Forscher, "den Boden unter den Füssen" zu verlieren, sondern zeige auch die Überforderung der Gutachter. "Vermutlich hätten sie auch im Fall Hwang Ungereimtheiten erkennen können. Aber das geht nicht, wenn ein vielbeschäftiger Wissenschaftler zur Begutachtung nur zwei Wochen Zeit hat." Die Vorwürfe gegen Hwang müssten daher Anlass zur "Besinnung" geben, fordert die Ombudsfrau. "Die Zeitschriften müssten sich gemeinsam darauf einigen, weniger Arbeiten zu publizieren – und wegzukommen von den schnellen Online-Veröffentlichungen." Auch eine Art internationaler Kontrollbehörde, die wichtige wissenschaftliche Arbeiten genau prüft, kann sich Beisiegel vorstellen. Es wäre "vernünftig, wenn man bei bahnbrechenden Arbeiten nicht nur zwei Gutachter beauftragt, sondern sie von einem größeren Gremium prüfen lässt."

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