"Was seid ihr verzagt, ihr Kleingläubigen!" steht auf dem Berliner Grab Jakob Kaisers, des großen alten Politikers aus den Gründungstagen der CDU. Ein Zitat von Jesus Christus, ausgesprochen in jener Stunde, als er mit den Jüngern über den See Genezareth fuhr und ein Seebeben den Jüngern Angst einjagte. Kaiser verzagte nicht, als er die CDU 1945 im zerstörten Deutschland zwischen Sowjets und Westmächten aufbauen half. Man möchte die heutige CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Merkel an diesen Satz erinnern, wenn man sie furchtsam durch die Weltwirtschaftskrise manövrieren sieht.

Angst spricht aus der Art, wie sie den deutschen Haushalt für die nächsten paar Wochen vor möglichen indirekten Hilfen für nahezu bankrotte EU-Staaten in Osteuropa retten möchte. Angst trieft aus dem CDU-Programm für die Europawahl. Angst steht hinter der Energiepolitik Merkels, die sinnvolle Projekte für mehr Energiesicherheit in der ganzen EU gefährdet.

Die CDU und Angela Merkel haben klar gemacht, dass sie von gezielter Unterstützung kleinerer EU-Staaten in der Krise nichts halten. Da können Lettland und Griechenland in die Pleite fahren, Deutschland steht auf der Bremse. Das soeben beschlossene Mini-Konjunkturprogramm der EU ändert wenig an diesem Eindruck. Natürlich kann Berlin allein Griechenland nicht retten, aber die Deutschen könnten in Brüssel und den Gremien mehr Engagement für die Kleinen zeigen.

Leider hat die EU zwar die Nationalökonomien integriert, aber die Nationalstaaten betreiben fröhlich weiter Partikularpolitik. Hypo Real Estate und Opel scheinen wichtiger zu sein als eine grundlegende gemeinsame EU-Krisenbewältigung. Merkel schützt überdies ihren SPD-Finanzminister, der mit verheerenden Kommiss-Sprüchen den Nachbarn, ob groß oder klein, auf kerndeutsche Art einheizt. Hinter dieser Hybris scheint die Angst durch, den Überblick auch nur bis zur nächsten Woche zu haben.

Also lässt man besser den Rollladen herunter. Das CDU-Parteiprogramm zur Europa-Wahl liest sich wie das ABC des Abschottens. Sie will den Erweiterungsprozess der EU "konsolidieren", genauer: abbrechen. Wieder wird die viel strapazierte "Aufnahmefähigkeit" der EU zitiert, um Europa nach kulturologischen Vorgaben gen Osten abzugrenzen. Es gehe um die Festigung der "Identität" Europas, sagt die CDU. Sie sagt nicht, wie diese mit Iren, Roma und Griechen an Bord zu definieren sei.