Ego: Da bewegt sich dieses Land mal in die richtige, in die leistungsorientierte Richtung – und schon bildet sich die Gegenbewegung.

Alter Ego: Kannst du bitte ein Beispiel nennen. Sonst klingt das allzu sehr nach neoliberaler Fabulierkunst.

Ego: Immer schön langsam.

Alter Ego: Langsam? Du willst doch alles beschleunigen.

Ego: Du bist aber aggressiv. Also schön. Ein Beispiel ist die Schulpolitik. Endlich wird die Zahl der Jahre am Gymnasium auf acht reduziert, wie das andere Industrieländer erfolgreich vormachen. Doch weil dabei nicht alles sofort funktioniert, bekommen die Gegner immer mehr Zulauf. Die Deutschen sind Meister im Kaputtreden vernünftiger Reformansätze.

Alter Ego: „Nicht alles sofort funktioniert“? Du bist gut. Da ist die neoliberale Tonnenideologie fehlgeschlagen. Man hat, beispielsweise in Hamburg, die ganzen Lehrinhalte aus neun Jahren in acht Jahre gezwängt und noch neue Anforderungen hinzugepackt. Wahnsinn!

Ego: Tonnenideologien sind eher Sache der Linken. Aber egal. Es war jedenfalls ein Fehler, ohne jede Fantasie einfach an alten Lehrplänen festzuhalten. Die Schüler sollen nicht nur büffeln. Leistung heißt auch zu explorieren, zu experimentieren und zu lernen, wie man lernt. Den Fehler kann man aber korrigieren, wenn man als Lehrer und Lehrplaner willig und fantasievoll ist.