Optisch wirkt das elektrische Flugfahrzeug, dessen Entwurf kürzlich von der Xpeng-Tochtergesellschaft HT Aero vorgestellt wurde, wie aus einem James-Bond-Film: Neben den vier Rädern verfügt der schnittige, maximal leichte Zweisitzer über zwei langgestreckte Rotor-Arme mit gut zwölf Metern Spannweite. Sind sie eingeklappt, ist das Fahrzeug ein straßentauglicher Sportwagen. Sind sie ausgeklappt, wird es zur senkrecht startenden Passagierdrohne. Als Sicherheitsfeature sind neben zwei Airbags auch Fallschirme mit an Bord.

Das Vehikel, das noch keinen Namen hat, soll über ein Lenkrad für die Straßenfahrt sowie einen Hebel für den Flugmodus verfügen, berichtet das Magazin Techcrunch. Auch werde es nach Unternehmensangaben ein fortschrittliches Wahrnehmungssystem haben, das vor dem Start die Umgebung und die Wetterbedingungen vollständig bewerten könne. 

Der Produktionsstart ist für 2024 angepeilt. Das Design des Mini-Flugzeugs sei noch nicht definitiv und könnte sich bis zur vollständigen Marktreife noch wandeln, erklärt das Unternehmen. Der Preis könnte voraussichtlich bei umgerechnet rund 140.000 Euro liegen.

Investoren glauben an das Marktsegment

Das in Guangzhou ansässige Start-up HT Aero konnte kürzlich rund 500 Millionen US-Dollar an Risikokapital einsammeln. Das Unternehmen spricht von der bisher größten Venture-Finanzierungsrunde für ein Start-up in Asiens Passagier-Flugfahrzeugsektor. Die große Zahl von namhaften Geldgebern zeigt, dass die Investoren an dieses neue Marktsegment glauben. Das Geld für HT Aero solle vor allem in die Forschung und Entwicklung und die Rekrutierung neuer Top-Talente fließen, sagt Zhao Deli, Gründer und Präsident des Unternehmens.

Allein in diesem Jahr wurden bis August rund 4,3 Milliarden Dollar in Flugauto-Start-ups investiert, wie die Financial Times berichtet. Das US-Beratungsunternehmen Morgan Stanley prognostiziert, dass der Markt für Flugautos bereits in 20 Jahren einen Wert von 1,5 Billionen US-Dollar erreichen wird. Die Unternehmensberatung Roland Berger rechnet damit, dass 2050 weltweit rund 160.000 kommerzielle Shuttle-Drohnen durch die Lüfte fliegen werden.

Flugautos unterscheiden sich von dem, was bisher unter dem Namen Flugtaxi entwickelt wurde, durch die Straßenfähigkeit. Flugtaxis oder fliegende Drohnen gibt es bereits testweise von einigen Herstellern. Doch das sind bisher keine fliegenden Straßenautos mit Rädern. Stattdessen starten sie senkrecht von festen Plätzen aus. Ob das für 2024 geplante Flugauto von HT Aero auch aus der Fahrt in den Flugmodus umschwenken kann, ist noch ungewiss.

Xiaopeng und HT Aero haben bereits mehrere ebenfalls elektrische Vorgängermodelle vorgestellt, darunter die bemannten Modelle Voyager X1 und X2. Beide befinden sich noch in der Entwicklung und haben nach einem Bericht des Fachmagazins Elektrek bereits mehr als 10.000 Testflüge erfolgreich absolviert. Straßentestes sollen demnach in China noch in diesem Jahr starten. Der X2 kann nach Firmenangaben ein maximales Startgewicht von 760 Kilogramm inklusive zweier Passagiere bewältigen und maximal 35 Minuten fliegen. Die angestrebte Flughöhe liege unterhalb von 1.000 Metern.