China ist einer der größten Märkte für Autos mit alternativen Antrieben. Fahrzeuge mit elektrischem, Wasserstoff- oder Hybridantrieb (New Energy Vehicles – NEV) machen in der Volksrepublik mittlerweile 18 Prozent aller Autoverkäufe aus. Der Umstieg auf E-Autos läuft schneller als geplant. Pekings Ziel eines Anteils von NEV-Verkäufen von 20 Prozent für 2025 ist schon heute fast erreicht. Gleichzeitig wachsen die CO2-Emissionen des Verkehrssektors massiv. Immerhin sind noch gut 80 Prozent aller verkauften Autos klimaschädliche Verbrenner. Welche Maßnahmen verfolgt Peking, um diesen Anteil weiter zu senken? 

Bislang hat China kein Datum für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bekannt gegeben. Ein hohes Beratungsgremium der chinesischen Regierung hat kürzlich jedoch "klare Wegmarken" für die "schrittweise Abschaffung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor" vorgeschlagen. Der China Council for International Cooperation on Environment and Development (CCICED) hat in einem Bericht dargelegt, wie China zum Klimaschutz beitragen soll. Die Analysten von Trivium China nennen die Studie "wegweisend". Das CCICED ist direkt mit dem Staatsrat verbunden. Den Vorsitz führt der stellvertretende Ministerpräsident Han Zheng.

Schon 2017 hat die Regierung einen möglichen Zeitplan für den Ausstieg aus Verbrennerautos diskutiert – war damals aber zu keinem Entschluss gekommen. Offizielle Regierungsdokumente sehen jedoch vor, dass batteriebetriebene E-Autos bis 2035 den Großteil der verkauften Autos ausmachen, ohne jedoch klare Zielmarken zu setzen, sagt Barbara Finamore, Energieexpertin und Autorin des Buchs Will China Save the Planet?. Öffentliche Flottenfahrzeuge wie Busse, Taxis und Lieferfahrzeuge sollen ab 2035 komplett elektrisch fahren.

Verbrennerausstieg industriepolitisch sinnvoll?

Auf den ersten Blick sprechen einige industriepolitische Argumente für einen baldigen Verbrennerausstieg Chinas. 44 Prozent der weltweit hergestellten E-Autos wurden in den letzten zehn Jahren in China produziert. Die Volksrepublik dominiert die Produktion von E-Auto-Batterien und die Lieferketten für wichtige Batterierohstoffe. Die eigene Autoindustrie ist im NEV-Bereich wettbewerbsfähiger als bei der Herstellung von Verbrennern.

Die Volksrepublik würde westlichen Wettbewerbern, die in China noch immer eine große Anzahl Verbrenner verkaufen, den Zugang zu einem wichtigen Markt abschneiden beziehungsweise sie zwingen, nur noch E-Autos anzubieten. Allerdings würde das auch die einheimischen Joint-Venture-Partner westlicher Autobauer treffen und Arbeitsplätze in China vernichten.

Auch bei der Infrastruktur für E-Autos ist China im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt. Die Volksrepublik hat in den letzten Jahren zwei von drei weltweit gebauten Ladepunkten errichtet. In China teilen sich umgerechnet sechs Autos einen Ladepunkt, während es in Deutschland derzeit 17 Autos pro öffentlichem Ladepunkt sind.

Doch zahlreiche und stärkere Argumente sprechen gegen einen schnellen Verbrennerausstieg Chinas.