Der Vorsitzende des documenta-Forums, Jörg Sperling, ist von seinem Amt zurückgetreten. Das gab das Forum auf seiner Website bekannt. Der Verein hat sich von seinem bisherigen Vorsitzenden distanziert, nachdem dieser in einem Interview die Entfernung eines antisemitischen Kunstwerks kritisiert hatte.

Das Werk sei "auf politischen Druck hin" abgehängt worden, hatte Sperling gesagt. "Eine freie Welt muss das ertragen."

Das Forum "bedauert ausdrücklich" die Äußerungen Sperlings. Das Interview sei mit den übrigen Vorstandsmitgliedern nicht abgestimmt gewesen. "Diese und alle weiteren Äußerungen in dem Interview geben ausschließlich die persönliche, nicht autorisierte Meinung von Jörg Sperling wieder." Das documenta-Forum ist ein gemeinnütziger Verein, der sich der Förderung und Begleitung der documenta verpflichtet hat.

Sperling bestätigte seinen vom Forum kommunizierten Rücktritt. "Zu dem, was ich gesagt habe, stehe ich nach wie vor", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er habe persönlich auch viele positive Rückmeldungen bekommen. Über sein Ausscheiden sei er "nicht unglücklich", ebenso wenig über die dadurch ausgelöste Debatte: "Das schärft die Positionen." 

Rücktrittsforderungen gegen Generaldirektorin

Die zunächst verhüllte und dann am Dienstagabend abgebaute mehrere Meter hohe Bannerinstallation People's Justice stammt vom indonesischen Künstlerkollektiv Taring Padi. Das Werk zeigte unter anderem einen mit Davidstern dargestellten Soldaten mit Schweinsgesicht, der einen Helm mit der Aufschrift "Mossad" trägt – dem Namen des israelischen Auslandsgeheimdiensts. 

Inzwischen gibt es von vielen Seiten Rücktrittsforderungen gegen die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann. Diese hatte eine Untersuchung der Kasseler Ausstellung auf "weitere kritische Werke" angekündigt.

"Es ist nicht Aufgabe der Geschäftsführung, alle Werke vorab in Augenschein zu nehmen und freizugeben", sagte Schormann. "Das würde dem Sinn der documenta widersprechen." Es könne daher auch nicht sein, die Kunst beispielsweise einem Expertengremium im Vorfeld zur Freigabe vorzulegen. Dies sei eine Kernaufgabe der künstlerischen Leitung.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte im Zuge der Debatte einen Besuch bei der documenta abgelehnt. Laut seiner Sprecherin bezeichnete er das betroffene Kunstwerk von Taring Padi als "abscheulich". Er werde die documenta fifteen nicht besuchen.