Die Ferien im Familienhotel Kellerman’s fangen mit einer Unschuldsbekundung an: "Es war im Sommer ’63 und alle nannten mich Baby", sagt Frances "Baby" Houseman, der unbedarfte Lockenkopf, in der Eröffnungsszene von Dirty Dancing. "Es war, noch bevor Präsident Kennedy erschossen wurde, bevor die Beatles nach Amerika kamen."

Der Film von 1987 ist die ultimative Sommerfantasie, ein flimmerndes Liebesabenteuer zwischen der schüchternen Baby (Jennifer Grey), die mit ihrer Familie Urlaub im Resort irgendwo in den Catskills in Upstate New York macht, und dem wilden Johnny (Patrick Swayze), der dort als Tanzlehrer und Animateur arbeitet. Es ist aber auch ein Sommer, in dem Baby ihre Unschuld verliert, nicht nur, weil sie zum ersten Mal Sex hat, sondern weil sie die Folgen einer missglückten illegalen Abtreibung miterlebt.

Penny (Cynthia Rhodes), die reguläre Tanzpartnerin von Johnny, ist schwanger von einem Aushilfskellner, der sich von ihr abwendet. Baby übernimmt Pennys Part für einen Auftritt mit Johnny in einem benachbarten Hotel, damit diese zu einem "richtigen Doktor" gehen kann, der einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt.

Niemand stellt Penny die moralische Frage

Am Ende des Abends, nach dem illegalen Eingriff, kauert Penny in ihrem ärmlichen Mitarbeiterbungalow, die Stirn nass, das Gesicht vor Schmerzen verzerrt. Sie hält sich den Bauch. Der Doktor, heißt es später, sei "ein Metzger" gewesen mit einem "rostigen Messer und einem Klapptisch". Babys Vater eilt mit seinem Arztkoffer zu Hilfe. Die Abtreibung verurteilt er in keinem Moment und auch vorher hat niemand Penny die moralische Frage gestellt: Bist du dir sicher, willst du das wirklich? Es ist klar, dass diese Frau keinen Spielraum hat: Eine schwangere Tanzlehrerin ohne Unterstützung, wie soll das gehen?

Dirty Dancing spielt im Sommer 1963, also einem Jahrzehnt, bevor in den USA am Supreme Court das wegweisende Urteil Roe v. Wade verkündet wurde. Seitdem sind Abtreibungen in den USA nicht mehr illegal. Was sich sehr bald ändern könnte. Dieser Tage könnte das Recht auf legale Schwangerschaftsabbrüche durch die konservativen Richter am Supreme Court gänzlich gekippt werden. Die Entscheidungshoheit würde damit zurück an die Bundesstaaten fallen, die dann den rechtlichen Rahmen vorgeben. 

Bereits seit einigen Jahren scheinen sich republikanisch geführte Bundesstaaten in den USA förmlich damit überbieten zu wollen, wer das strikteste Abtreibungsgesetz im Land erlässt. Mehr als ein Dutzend Staaten, vor allem im Süden und mittleren Westen, haben sogenannte trigger laws erlassen: Fällt Roe, werden Abtreibungen kurz danach dort illegal oder unterliegen enormen Einschränkungen, obwohl mit 61 Prozent eine Mehrheit der Amerikaner und Amerikanerinnen für legalen Zugang ist.

Pennys qualvoller, lebensgefährlicher Schwangerschaftsabbruch in Dirty Dancing erinnert daran, was passieren kann, wenn Frauen die rechtliche Grundlage fehlt, über ihren Körper zu entscheiden, und stattdessen Männer über ihr Schicksal bestimmen. Die Pennys dieser Welt, die sich auch aus finanzieller Not gegen ein Baby entscheiden, aber häufig kein Geld für einen legalen Eingriff haben, gab und gibt es in den USA zuhauf.

Ihre Geschichten nah an der Lebensrealität zu erzählen, damit hat Hollywood sich lange Zeit schwergetan. Ein Forschungsprojekt der University of California San Francisco sammelt seit ein paar Jahren Daten über die Darstellung von Schwangerschaftsabbrüchen in Film und Fernsehen. Die Abortion Onscreen Database listet zurückgehend bis ins Jahr 1916 Darstellungen oder Erwähnungen von Schwangerschaftsabbrüchen. Sie zählt Parameter wie das Alter der betroffenen Person, ihre Herkunft, die Legalität des Eingriffs und die gesundheitliche Situation der Protagonistin nach dem Abbruch.