Der britische Architekt Richard Rogers ist tot. Mehrere Medien berichteten am Sonntagmorgen, der Architekt sei in der Nacht im Alter von 88 Jahren in London gestorben. Sein Sohn Roo Rogers bestätigte gegenüber der New York Times seinen Tod, ohne die Todesursache zu nennen. Rogers, der 2007 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, hat unter anderem das Centre Georges Pompidou in Paris sowie Bürogebäude am Potsdamer Platz in Berlin entworfen.

Rogers war einer der Pioniere der Hightech-Bewegung, die sich durch Glas- und Stahlstrukturen und freiliegende Rohrleitungen auszeichnet. Er entwarf das Gebäude des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, ein Terminal des internationalen Flughafens Barajas in Madrid sowie den Millennium Dome in London.

Rogers wurde 1933 in Florenz als Kind anglo-irischer Eltern geboren. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog die Familie 1939 nach London. Wegen seiner Sprachkenntnisse wurde er beim Wehrdienst nach Italien versetzt und arbeitete an seinen freien Tagen im Architekturbüro seines Cousins. Danach überzeugte er die britische Architectural Association, ihn an ihrem Diplomkurs in London teilnehmen zu lassen, obwohl er keinen Schulabschluss hatte.

Sein Durchbruch gelang dem Architekten im Alter von 44 Jahren, als er gemeinsam mit Renzo Piano das revolutionäre Centre Georges Pompidou in Paris entwarf. Rogers und Piano legten in dem Ausstellungsgebäude Rolltreppen, Belüftungsschächte und Kabelrohre frei und installierten sie sichtbar an den Außenwänden, um im Innern freie Flächen und mehr Raum und Licht zu schaffen.

Nach dem weltweiten Erfolg des Centres Pompidou entwarf Rogers das Hauptquartier für den Versicherungsmarkt Lloyd's of London nach demselben Prinzip. In Großbritannien folgten Bauwerke wie der Terminal 5 des Flughafens Heathrow sowie das Leadenhall Building im Finanzbezirk, der von Londonern liebevoll Cheesegrater (Käsereibe) genannt wird.

Kurz vor seinem 85. Geburtstag schloss er den Bau des Three World Trade Centers in Manhattan ab, mit 329 Meter eins der höchsten Gebäude von New York City. Es ist ein typischer Richard Rogers-Bau: Ein äußeres Verstrebungssystem aus reflektierendem Glas und Edelstahl hält den Wolkenkratzer zusammen – eine ähnliche Konstruktion wie die Glaspaläste hinter der Tate Modern in London. Das American Institute for Architects verlieh Rogers den höchsten Architekturpreis der Vereinigten Staaten, die AIA Goldmedaille.