Trotz dicker Wollmütze, Vollbart und Maske vor dem Gesicht: Der junge Mann aus Libyen ist aufgebracht, das ist ihm anzumerken. Am Vorabend ist er aus Sachsen nach Hamburg gekommen und am Hauptbahnhof gestrandet. Wo er die Nacht verbracht hat? Er kann den Ort nicht beschreiben.

Irgendwer hatte ihn mitgenommen und ihm gesagt: "Hier kannst du dich hinlegen." Er weiß vor allem eines: Dass er nicht mehr zurück will in das Aufnahmelager, in dem er die letzten zwei Jahre verbracht hat. "Viele Probleme", sagt er. In Sachsen musste er warten, tagein, tagaus. Immer warten, nichts machen können. "Ich schäme mich, wenn ich nichts mache", sagt er. Alle hätten immer Angst gehabt. "Angst, Angst, Angst", sagt er. "Diese Angst macht fertig."