In Deutschland ist der erste Fall von Affenpocken bestätigt worden. Wie das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr mitteilte, wurde das Virus am Donnerstag bei einem Patienten zweifelsfrei nachgewiesen. Der Patient habe die charakteristischen Hautveränderungen gezeigt.

Wie das bayerische Gesundheitsministerium inzwischen mitteilte, handelt es sich bei dem Infizierten um einen 26-jährigen Mann. Er sei von Portugal über Spanien nach Deutschland gereist und halte sich seit etwa einer Woche in München auf. Zuvor sei er auch schon in Düsseldorf und Frankfurt am Main gewesen. Nun befindet er sich in einer Schwabinger Klinik in Isolation. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte, dass derzeit enge Kontaktpersonen des Mannes ermittelt würden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, "bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden". Durch die Meldungen aus anderen Ländern seien Ärztinnen und Patienten in Deutschland sensibilisiert. "Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht übertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann", sagte Lauterbach, der bisher nicht von einer hohen Dunkelziffer an Infizierten ausgeht. Dafür sei aber schnelles Handeln nötig. "Wir werden jetzt das Virus genauer analysieren und prüfen, ob es sich um eine ansteckendere Variante handelt."

In Europa und Nordamerika haben die Gesundheitsbehörden seit Anfang Mai vermehrt Fälle von Affenpocken festgestellt. Nach Großbritannien meldeten auch Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Belgien und Schweden Infektionsfälle. Laut Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ist dies der größte Ausbruch von Affenpocken, der bislang in Europa beobachtet wurde. Auch in den USA und Kanada werden Dutzende Fälle untersucht.

Tödlicher Verlauf ist selten

Zu den Symptomen der Affenpocken beim Menschen gehören Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Ausschlag, der oft im Gesicht beginnt und dann auf andere Körperteile übergreift. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb mehrerer Wochen von der Krankheit, ein tödlicher Verlauf ist selten. Bei der Mehrheit der bisher bekannten Affenpocken-Infektionen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten.

Die WHO rief nach dem Bekanntwerden der Fälle zu einer rigorosen Verfolgung aller Kontakte der Betroffenen auf. Kliniken und Bevölkerung müssten dafür sensibilisiert werden, einen ungewöhnlichen Hautausschlag von Fachpersonal begutachten zu lassen. Demnach sollten Patienten isoliert werden, wenn sich der Verdacht auf Affenpocken erhärte. Gesundheitspersonal solle sich mit den üblichen Vorkehrungen gegen Infektionen schützen, die sich über Kontakt oder Tröpfchen ausbreiten können.

Bereits nach den ersten Fällen in Großbritannien Anfang Mai hatte das Robert Koch-Institut (RKI) Ärzte in Deutschland für die Virusinfektion sensibilisiert. In einem vom RKI veröffentlichten Beitrag heißt es, Affenpocken sollten bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen auch dann als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen Hautveränderungen unverzüglich zum Arzt gehen. 

Pocken gelten als ausgerottet, nur wenige haben Impfschutz

Die vor allem in einigen Regionen Afrikas verbreitete Krankheit wird üblicherweise durch engen Kontakt mit infizierten Nagetieren oder Affen übertragen. Nach WHO-Angaben waren frühere Fälle in der Regel auf Reisen in Gebiete in West- und Zentralafrika zurückzuführen, in denen das Virus bekannt ist.

Die Pocken bei Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Nach Angaben des RKI haben weite Teile der Weltbevölkerung mittlerweile allerdings keinen Impfschutz mehr. In einem Fachartikel von 2019 hielten drei RKI-Mitarbeiter fest: "Außerhalb von Afrika wurden Affenpocken bei Menschen lediglich dreimal identifiziert: im Jahr 2003 in den USA und im Jahr 2018 im Vereinigten Königreich und Israel." Die meisten Menschen – über 30 Fälle wurden erfasst – steckten sich demnach in mehreren US-Bundesstaaten an.