In Sachsen ist die Sieben-Tage-Inzidenz über 1.000 gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete einen Wert von 1074,6 – am Mittwoch hatte die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen einer Woche noch bei 935,8 gelegen. Sachsen ist damit das erste deutsche Bundesland seit Pandemiebeginn, das den Inzidenzwert von 1.000 überschreitet. Bundesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz demnach bei 419,7.

Innerhalb eines Tages zählten die Gesundheitsämter in Sachsen laut RKI 11.581 neue Infektionen. Zudem kamen 42 Todesfälle hinzu. Neun der zehn Landkreise überschritten den Inzidenzwert von 1.000. Unterhalb dieses Wertes liegen nur noch die Großstädte Dresden (630,3), Leipzig (869,1) und Chemnitz (972,2) sowie der Landkreis Görlitz (735,6). Bundesweit am höchsten liegt die Inzidenz mit 1.688 weiter im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Sachsen wie auch Thüringen bereiten aktuell die Verlegung von Intensivpatienten vor. Sachsen habe bereits 16 Patientinnen und Patienten für die Verlegung angemeldet. Im Laufe des Tages sollten die ersten von ihnen in andere Kliniken gebracht werden, sagte Landesgesundheitsministerin Petra Köpping (SPD).

Zugleich gewinnt die Impfkampagne in Sachsen wieder an Tempo. Am Mittwoch wurden mehr als 37.000 Menschen geimpft, wie die Kassenärztliche Vereinigung des Landes mitteilte. Das ist der zweithöchste Tageswert seit Anfang des Jahres.

Lockdown vor Weihnachten möglich

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schließt einen vollständigen Lockdown vor Weihnachten angesichts der Lage nicht mehr aus. "Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Es wird nur zu verhindern sein, wenn es ein kollektives Verständnis und gemeinsames Bewusstsein gibt, Kontakte zu vermeiden und die Maßnahmen einzuhalten", sagte der CDU-Politiker der Sächsischen Zeitung. Wenn es in der kommenden Woche nicht einen positiven Effekt gebe, "müssen wir diese Diskussion führen".

Kretschmer geht zudem davon aus, dass die Bettenauslastung mit Covid-19-Patienten in den nächsten Wochen noch erheblich steigen werde. Noch gebe es aber die Möglichkeit, Erkrankte in andere Bundesländer zu verlegen. "Das werden wir nutzen, auch um Vorsorge zu betreiben. Die laufende Entwicklung können wir kaum noch beeinflussen", sagte er. In Sachsen gilt seit Montag bereits eine Art Lockdown light. Museen und Theater sind geschlossen, für Ungeimpfte gibt es Kontaktbeschränkungen.

Überzeugungsarbeit statt Impfpflicht

Die langen Warteschlangen vor den Impfstellen sieht Kretschmer mit Sorge. "Auch für mich sind das furchtbare Bilder, die mich sehr ärgern. Im Gesundheitsministerium wird sehr hart daran gearbeitet, die Situation zu verbessern", sagte er. Es würden Gespräche mit der Ärzteschaft geführt. "Vom Präsidenten der Kassenärztlichen Vereinigung habe ich die Zusage bekommen, dass sie zwischen hundert- und zweihunderttausend Impfungen pro Woche möglich machen wollen." Dies könnte schon in dieser Woche beginnen. 

Eine generelle Impfpflicht sieht Kretschmer skeptisch. "Ich persönlich bin in meinem Erleben eher immer derjenige gewesen, der nicht mit Zwang agiert, sondern mit Überzeugung und mit Erkenntnis." Ob es bundespolitisch anders entschieden werde, sodass es möglicherweise eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen gebe, bleibe abzuwarten, sagte er. "Aber ich glaube, es ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und dafür, dass wir auch nach dieser Pandemie das Vertrauen ineinander haben, besser, wenn wir vor allen Dingen fürs Impfen werben und die Menschen es aus eigener Überzeugung tun."