Der ehemalige Tennisstar Boris Becker muss ins Gefängnis. Ein Gericht in London verurteilte den dreifachen Wimbledon-Sieger zu zweieinhalb Jahren Haft, wovon er mindestens die Hälfte absitzen muss. Den Rest darf er auf Bewährung in Freiheit verbringen, verkündete die Richterin Deborah Taylor am Southwark Crown Court in der britischen Hauptstadt. 

Der frühere Ausnahmesportler, der in London lebt und 2017 gerichtlich für zahlungsunfähig erklärt worden war, hatte Vermögen im Wert von mehr als einer Million Euro in seinem Insolvenzverfahren nicht offengelegt. Eine Jury hatte Becker deshalb Anfang April in vier von 24 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Der 54-Jährige hatte die Vorwürfe bestritten. Er kann gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

Die Geschworenen waren zu der Ansicht gelangt, dass Becker den Besitz einer Immobilie in seinem Heimatort Leimen verschleiert, unerlaubterweise hohe Summen auf andere Konten überwiesen und Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz verschwiegen hatte. 2002 war Becker in München wegen Steuerhinterziehung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. 

Becker zeigte laut Richterin keine Reue

Richterin Taylor kritisierte, Becker habe keine Reue gezeigt und versucht, sich von Beratern, die er für seine Probleme verantwortlich machte, zu distanzieren. Er habe seine Pflichten wegen der Insolvenz gekannt. Eine große Summe Geld sei für immer verloren und könne nicht Beckers Gläubigern zugutekommen. Zugleich erkannte Taylor an, dass Beckers Karriere und Image endgültig zerstört seien.

Taylor verurteilte Becker wegen der unerlaubten und vorsätzlichen Überweisung von mehreren Hunderttausend Euro zu der Haftstrafe. Wegen der anderen drei Schuldsprüche ordnete sie jeweils 18 Monate Haft an. Da die Strafen formal parallel verbüßt werden, ergab sich die Gesamtdauer von 30 Monaten Haft. Die Insolvenzbehörde (Insolvency Service) teilte nach der Verkündung des Strafmaßes mit, dieses zeige klar, "dass es ein ernst zu nehmendes Verbrechen ist, Vermögen in einer Insolvenz zu verbergen, für das wir Täter verfolgen und ihrer Strafe zuführen".

Anklage sprach von schwerem Vertrauensbruch

Staatsanwältin Rebecca Chalkley hatte keine Strafmaßforderung gestellt, machte aber deutlich, dass sie eine Bewährungsstrafe nicht für ausreichend halte. Becker habe einen schweren Vertrauensbruch begangen, sagte sie und verwies zudem auf seine Verurteilung in Deutschland. Dass er am Tag nach der gerichtlich angeordneten Insolvenz noch hohe Summen überwiesen hatte, ähnele Geldwäsche. 

Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw hatte Milde gefordert und sich für eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren ausgesprochen. Bei den Überweisungen habe es sich um Zahlungen an seine Ex-Frau Barbara sowie seine Gattin Lilly und seine Kinder gehandelt, die von ihm abhängig gewesen seien. Laidlaw räumte ein, dass Becker damit das Gesetz gebrochen habe, es sei aber kein schwerwiegender Fall. Der 54-Jährige habe sich in einer verzweifelten finanziellen Lage befunden.

Am Gerichtshof Southwark Crown Court herrschte zur Entscheidung großer Andrang. Die Sitzung wurde deshalb in einen größeren Saal verlegt. Während des Prozesses hatten deutlich weniger Journalistinnen und Journalisten die Verhandlung verfolgt. Vor allem britische Medien hatten wenig Interesse gezeigt.

Becker kam in Begleitung seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro und seines ältesten Sohns Noah, der eine gepackte Reisetasche trug.