Deutschland war in diesem Jahr erneut ein wichtiges Ziel für Asylbewerber in der EU. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. Demnach wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 355.955 Asyl-Erstanträge gestellt, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland stieg die Zahl laut dem Bericht im selben Zeitraum um 33 Prozent auf 100.240 Fälle. 28 Prozent aller Asyl-Erstanträge in der EU wurden in Deutschland gestellt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 24 Prozent.

Weitere wichtige Zielländer für Asylbewerber waren Frankreich mit einem Anteil von zwanzig Prozent, Spanien mit elf Prozent und Italien mit acht Prozent. Damit beträfen etwa zwei Drittel aller Asylanträge in der EU diese vier Länder. Schlusslicht ist Ungarn: Nach den EU-Daten nahmen die Behörden dort in den ersten drei Quartalen nur 30 Erstanträge auf Asyl entgegen.

Ungarn hat seine Asylpolitik zuletzt immer wieder verschärft und unter anderem Flüchtlingshelfer kriminalisiert. Die EU-Kommission ist bereits mehrfach gegen das Land vor Gericht gezogen. Der Europäische Gerichtshof hat Ungarns Asylpolitik in mehreren Urteilen als rechtswidrig erklärt.

Laut den in dem Medienbericht zitierten Statistiken stellen Migrantinnen und Migranten aus Afghanistan und aus Syrien die größten Gruppen unter den Asylbewerbern in der EU – zusammen machten sie ein Drittel aller Antragsteller aus, gefolgt von Migranten aus Pakistan und dem Irak.

2020 ist die Zahl der Asylbewerbungen europaweit offenbar vor allem wegen der Corona-Pandemie deutlich gesunken. Der Rückgang war aber in Deutschland mit 28 Prozent weniger Erstanträgen und in der EU mit 31 Prozent weniger Anträgen in etwa gleich stark. Vor der Pandemie, im Jahr 2019, hatten 612.000 Geflüchtete in der EU einen Asylantrag gestellt.

Mehr als ein Dutzend Migranten vor Weihnachten ertrunken

Bei mehreren Bootsunglücken in der Ägäis sind vor Weihnachten erneut Migranten ertrunken. Wie die griechische Küstenwache und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichten, starben insgesamt mehr als ein Dutzend Menschen beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Die griechische Küstenwache meldete am Freitag, dass drei Menschen starben, als ihr Flüchtlingsboot in der Nähe der Insel Paros sank. 57 Migranten konnten gerettet werden. Wenige Stunden zuvor waren bei einem anderen Unglück bereits elf Menschen gestorben, als ihr Boot auf Grund gelaufen war. Die Behörden haben inzwischen 90 Menschen, die sich auf eine kleine Insel nördlich der Insel Andikythira retten konnten, in Sicherheit gebracht. Unter den Geretteten sind den Angaben zufolge 27 Kinder und 11 Frauen.

Am Mittwoch war bereits unweit der griechischen Insel Folegandros ein Flüchtlingsboot gesunken. Mindestens drei Menschen starben dabei, Dutzende weitere gelten offiziell noch als vermisst. Nach Angaben von Überlebenden waren zwischen 32 und 50 Menschen an Bord gewesen. Dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zufolge war das Unglück vor Folegandros das schlimmste Unglück in der Ägäis in diesem Jahr.

Nach Schätzungen des UNHCR sind von Januar bis November dieses Jahres mehr als 2.500 Migrantinnen und Migranten auf dem Seeweg nach Europa gestorben. Seit 2015 haben fast eine Million Menschen, hauptsächlich Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, von der Türkei aus griechische Inseln und damit die EU erreicht.