Im abgeschotteten Nordkorea drohen nach Einschätzung eines UN-Experten Kinder und ältere Menschen zu verhungern. Demnach leidet die Lebensmittelversorgung in dem Land nicht nur unter internationalen Sanktionen, sondern auch unter selbst auferlegten Handelsbeschränkungen, mit denen Nordkorea sich vor der Coronavirus-Pandemie zu schützen versucht.

Die Landwirtschaft in Nordkorea habe mit einer Reihe schwerer Probleme zu kämpfen, welche die ohnehin große Not der Menschen dort noch verschärften, wird UN-Sonderermittler Tomás Ojea Quintana in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht an die Vollversammlung der Vereinten Nationen zitiert. So sei der Import von Düngemitteln und anderer Agrarprodukte aus China stark zurückgegangen. Zudem sei die afrikanische Schweinepest in Nordkorea ausgebrochen.

Laut Quintana seien die seit Januar 2020 anhaltenden und strikten Corona-Maßnahmen in Nordkorea zu einer "schwerwiegenden wirtschaftlichen Belastung" für die allgemeine Bevölkerung geworden. Deren Anfälligkeit für Menschenrechtsverletzungen sei gestiegen. Als Teil seiner Corona-Maßnahmen hat die nordkoreanische Regierung unter anderem die Grenzen ihres Landes weitflächig geschlossen und das Reisen zwischen städtischen und ländlichen Regionen beschränkt. Zudem hat sie die Einfuhr nicht essenzieller Waren begrenzt, darunter fallen auch humanitäre Versorgungsgüter.

Nordkorea - Kim Jong Un gibt "düstere" Wirtschaftslage zu Durch Sanktionen und Unwetter sind Teile der Bevölkerung Nordkoreas von Hunger bedroht. Zum Jahrestag der Regierungspartei sprach der Machthaber des Landes über die Lage. © Foto: KCNA/picture alliance/dpa

Schon vor der Pandemie hatten 40 Prozent der Nordkoreaner keinen gesicherten Zugang zu Nahrung. Jetzt seien es nach Zahlen der Welternährungsorganisation der UN noch deutlich mehr, sagte Ojea Quintana.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte am Montag seine Staatsbeamten dazu aufgerufen, etwas gegen die "düstere Lage" sowie die "beispiellosen Schwierigkeiten" in dem Land zu tun und die Lebensbedingungen der Menschen abzusichern. 

Welthungerindex 2021: Hungerkrisen nehmen global zu

Auch in anderen Ländern nehmen Hungerkrisen zu, warnte die Welthungerhilfe in ihrem aktuellen Welthungerindex. Der Index zeige, dass 811 Millionen Menschen weltweit hungerten und 41 Millionen kurz vor einer Hungersnot stünden, sagte Generalsekretär Mathias Mogge dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Der aktuelle Welthungerindex zeigt, dass 47 Länder noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau bis 2030 erreichen werden."

Die Ernährungslage verschlechtere sich wegen der vielen verschiedenen Krisen. Mogge nannte Kriege und Konflikte, den Klimawandel sowie die Folgen der Corona-Pandemie. Gewaltsame Konflikte hätten in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Sie seien einer der größten Hungertreiber. "Wo Krieg herrscht, werden Ernten, Felder sowie Infrastruktur zerstört und fliehen Menschen aus ihren Dörfern."