Mehr als zwölf Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten hat der Bundesgerichtshof die Freisprüche von zwei Bauleitern aufgehoben. Damit wird der Prozess in Teilen wieder aufgerollt. Eine andere Kammer des Landgerichts Köln muss nun neu entscheiden. Die beiden Männer waren 2018 vom Landgericht Köln vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

Das Landgericht habe seinerzeit die fehlenden Abstimmungen auf der Baustelle nicht berücksichtigt, das Fehlen engmaschiger Kontrollen und die "gehäufte Anzahl von Zwischenfällen außer Betracht gelassen", sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Franke. "Darin liegt der Rechtsfehler."

Zwar hatte das Landgericht durchaus eine Verletzung der Sorgfaltspflichten der beiden Männer festgestellt – fälschlicherweise habe es dann aber den Schluss gezogen, dass dies nicht die Ursache für die Katastrophe vom 3. März 2009 gewesen sei, sagte Franke. Genau das sei aber nicht ausreichend geprüft worden. "Ein neues Tatgericht wird möglicherweise noch eine Pflichtverletzung feststellen können." Neue Zeugen sollen nun in Köln gehört werden, Sachverständige werden geladen. Nur die Anklage, die verlesen wird, bleibt gleich.

Bei dem Einsturz des Archivs und zweier Wohnhäuser waren zwei Anwohner ums Leben gekommen. Unzählige historische Dokumente wurden verschüttet. Dem Kölner Landgericht zufolge waren die Gebäude eingestürzt, weil unmittelbar in der Nähe eine tiefe Baugrube für eine neue U-Bahn-Haltestelle durch eine geborstene Schlitzwand mit Wasser und Sand volllief. Als Ursache stellte das Gericht einen gravierenden Fehler beim Aushub 2005 fest: Arbeiter hatten damals einen Gesteinsblock nicht beseitigt.

Im September 2021 wurde ein neues Stadtarchiv in Köln eröffnet.