Antisemitismus ist einer Studie zufolge im Internet weit verbreitet und problemlos zugänglich. Hashtags mit Begriffen, unter denen Verschwörungserzählungen verbreitet würden, zeigten mit einem Klick Millionen Beiträge, die antisemitische Vorurteile und Abwertungen verbreiteten, heißt es in der Studie (PDF) der Amadeu-Antonio-Stiftung, der schwedischen Expo-Stiftung sowie der britischen Organisation Hope not Hate. Auch explizitere antisemitische Hashtags dürften etwa auf Instagram verwendet werden.

"Jede erdenkliche Form von Antisemitismus findet sich ohne große Mühe auf allen sozialen Netzwerken", teilte die Amadeu-Antonio-Stiftung anlässlich eines internationalen Forums zum Gedenken an den Holocaust und den Kampf gegen Antisemitismus im schwedischen Malmö mit. Es sei besonders bedenklich, dass junge Menschen erst über Netzwerke wie TikTok oder Instagram in Kontakt mit Verschwörungsideologien und Antisemitismus kämen, ohne vorher über diese Phänomene aufgeklärt worden zu sein.

"Es ist eigentlich unglaublich, dass wir trotz zehnjähriger Versuche, Hassrede auszurotten, auf jeder von uns untersuchten Social-Media-Plattform Antisemitismus finden konnten", sagte Joe Mulhall von Hope not Hate. Eine neue Generation habe online antisemitische Ideen kennengelernt, mit denen sie sonst kaum in Berührung gekommen wäre.

Die Autoren forderten eine klare Zusage der Internetkonzerne, Antisemitismus von ihren Plattformen zu verbannen, "etwa Antisemitismus explizit in den Community Standards zu verbieten, für mehr Seitenmoderation zu sorgen oder ein Meldesystem zu entwickeln, dass auch den Abgleich zwischen mehreren Plattformen ermöglicht. Das wäre ein guter Beginn", sagte Daniel Poohl, CEO der Expo-Stiftung.

Antisemitismus - Schuld sind immer die anderen In der Corona-Pandemie erfahren uralte Ideologien einen Aufschwung. Michael Blume versucht dem als Antisemitismusbeauftragter in Stuttgart etwas entgegenzusetzen. © Foto: Fabian Sommer/picture alliance/dpa