Die kolumbianische Pazifikregion ist ein besonderer Ort: ein schmaler Küstenstreifen im Westen des Landes, vom Rest Kolumbiens nur durch die Bergkette der Anden getrennt. Es ist eine abgelegene Gegend; manche Siedlungen im unzugänglichen Urwald sind nur über Flüsse erreichbar. Aber hier gibt es auch Städte wie Cali, berühmt für seine Salsa-Szene und afrokolumbianische Musik. Wirtschaftlich betrachtet ist die Region arm, die staatlichen Institutionen sind schwach. Allgegenwärtig ist die Gewalt der illegalen bewaffneten Gruppen. Es gibt Drogenhandel, illegale Goldgräberei und viel Umweltverschmutzung. Aber der Landstrich ist auch sehr reich: an Natur, Kultur und Traditionen. Hier leben viele Angehörige afrokolumbianischer und indigener Gemeinschaften, die sich ihre eigenen kulturellen Praktiken bis heute bewahrt haben.

Die Gruppenausstellung Pacífico – Ritual und Widerstand in Kolumbien präsentiert die Arbeiten von elf kolumbianischen Fotografinnen und Fotografen, die seit 2014 in der Pazifikregion arbeiten. In ihren Fotografien zeigen sie die einzigartigen kulturellen Praktiken, alternative Formen der Vermittlung von Traditionen und Wissen sowie der Partizipation an verschiedenen städtischen und ländlich isolierten Orten der Region. Die Fotogalerie Friedrichshain zeigt sie noch bis zum 2. Oktober 2020. Ein Schwerpunkt der Ausstellung soll die Verknüpfung mit Berliner Initiativen sein, die zu Naturschutz, globalem Handeln oder traditionellen kulturellen Praktiken arbeiten.