Die gute Nachricht zuerst: Es gibt immer mehr Menschen, die sich auf die eine oder andere Art bilden, und es gibt mehr Menschen, deren Beruf die Bildung ist. "Die Anzahl an Beschäftigten an Kitas, allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen sowie in Teilen der Weiterbildung ist seit 2011 kontinuierlich gestiegen", lautet die Bilanz des aktuellen Bildungsberichts des Bundes, der alle zwei Jahre erscheint und eine Bestandsaufnahme des Bildungssystems liefert. Sechs Prozent der Erwerbstätigen arbeiten heute in der Bildung. Klingt erst mal gut. 

Teils sind die Zahlen erstaunlich, an den Hochschulen gibt es 25 Prozent mehr Personal, an Kitas sogar ein Plus von 75 Prozent seit 2011. Doch mehr bedeutet leider nicht genug. Und die Zahl der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen stieg nur um drei Prozent. Dieses Wachstum dürfte die Menge an Schülern, die bald an die Schulen drängen werden, schnell wieder verschlucken. Das sind zum einen die vor dem Krieg aus der Ukraine geflohenen Kinder, vor allem aber die geburtenstarken Jahrgänge seit 2011: Die Anzahl der Kinder unter sechs hat seitdem bundesweit um 16 Prozent zugenommen, in den Stadtstaaten sogar bis zu 20 Prozent. Dazu kommt, dass es ab 2026 ein Recht auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule gibt. Dafür aber braucht es wiederum noch mehr Pädagogen. Die Herausforderungen, die auf das Bildungssystem zukommen, sind gewaltig. Und das größte Problem ist und bleibt der Lehrermangel.    

Noch immer besuchen zudem benachteiligte Kinder seltener eine Kita als die, deren Eltern höher gebildet sind.                   

Besonders belastet sind nach wie vor Kinder mit Migrationshintergrund, die häufiger in armen und weniger gebildeten Familien aufwachsen. Hier schafft es das Bildungssystem nach wie vor nicht, Chancengerechtigkeit herzustellen.

Die Corona-Folgen sind kaum abzuschätzen

Neben dem Schwerpunkt auf den Lehrermangel hat sich der Bericht die Folgen der Corona-Pandemie vorgenommen. Noch allerdings gibt es kaum belastbare Daten, wie sehr die Pandemie und die damit einhergehenden Schulschließungen dem Lernerfolg der Kinder und Jugendlichen geschadet haben. Bildungsforscher Kai Maaz, Sprecher der Autorengruppe des Berichts, sagte dazu: "Bislang konnten wir keine größeren Brüche feststellen, aber uns fehlen Studien." Viele Fragen seien schlicht noch unbeantwortet.

Einige wenige Erkenntnisse gibt es: So wurde Kindern aus Elternhäusern mit hohem Bildungsabschluss 2019 noch an fünf Tagen pro Monat mehr vorgelesen als Kindern von Eltern mit niedrigeren Abschlüssen, im Jahr 2021 war die Differenz bereits sieben Tage. "Es spricht einiges dafür, dass sich Bildungsungleichheiten verstärkt haben", heißt es im Bericht. Auch zu generellen Leistungen gibt es Daten: Die Leseleistungen von Viertklässlern etwa sind im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 zurückgegangen, allerdings ist Corona laut Bericht nicht die einzige Ursache.

Zwar sind die digitalen Kompetenzen enorm gestiegen, aber vor allem zu Beginn der Pandemie waren viele Lehrende und Lernende nicht darauf vorbereitet, auf digitale Unterrichtsmaterialien umzusteigen. Nur ein Drittel der Kitas nutzte digitale Formate, um sich mit den Eltern und Kindern auszutauschen.

Psychisch und sozial haben viele junge Menschen laut Bildungsbericht gelitten, Schülerinnen ebenso wie Studierende. Nur 38 Prozent der Lehrkräfte standen, wie sie selbst angaben, am Anfang der Pandemie im Frühjahr 2020 regelmäßig mit allen ihren Schülerinnen und Schülern im Kontakt.

Doch Lösungen für die vielen bereits bekannten Probleme sind immer noch kaum zu finden. Derzeit sprechen einige Politiker davon, dass man Teilzeitkräfte dafür gewinnen könnte, mehr oder gar Vollzeit zu arbeiten. Als gäbe es nicht bei vielen Beschäftigten triftige Gründe für diese Teilzeit. Kai Maaz erhofft sich in dem Zusammenhang mehr Verantwortungsgefühl aller Akteure: "Wir müssen die Karten offen auf den Tisch legen: Sind die Qualifizierungswege für Lehrer richtig? Kommen wir damit aus, einfach mehr zu rekrutieren?"

Seiner Meinung nach ist es Zeit für weniger konventionelle Lösungen. "Wir brauchen Ideen, die über das hinausgehen, was wir schon diskutieren." Eine Idee, die bereits heftig diskutiert wird, sieht auch Maaz als Möglichkeit: Lehrer, die heute in Teilzeit arbeiten, zu mehr Stunden zu motivieren.